Norderney mit Handicap


Wer glaubt, mit der Überquerung der deutschen Grenze hätten wir unser Ziel praktisch erreicht, dem muss ich widersprechen. Unglaublich, aber wahr, mit der Annäherung an Norderney, wo wir zwei liebe Freunde besuchen wollten, die uns bei der Vorbereitung des Törns wertvolle Hinweise mit auf den Weg gegeben hatten, und denen wir nun beweisen wollten, dass wir diese auch befolgt hatten, erlebten wir die schlimmste Nacht des ganzen Törns. Ursache dafür war eine Kombination bereits bekannter Probleme sowie ein alles dominierender Sturm. Dieser sorgte - natürlich nachts - beim Tidewechsel für eine Kreuzsee, die mit der WoC machte, was sie wollte, nicht aber das, was wir im Sinn hatten. Hinzu kam, dass wir gerade zu dieser Zeit auf den südlich vom Borkumriff liegenden Windpark Riffgat zusteuerten, den wir wiederum nur in der neusten digitalen Karte fanden, dafür zu spät zur Kenntnis nahmen. Wir entschieden, den Windpark nördlich - das heisst südlich zur parallel verlaufenden Schifffahrtslinie zu umfahren. Doch das wiederum war leichter geplant als getan. Denn aufgrund des starken und böigen Windes hatte der Windgenerator an Bord (mal wieder) die Notbremse gezogen und der Autopilot seinen Dienst quittiert. Nun wird die WoC mit einer Hydraulik-Steuerung auf Kurs gehalten. Für den Autopiloten ist das o.k. Für den Steuermann per Hand je nach Situation indessen nicht. Er muss mächtig am kleinen Steuerrad kurbeln, bis das Schiff auf seine Wünsche reagiert. Kommt dann die Kreuzsee mit wechselnden Strömungen und Wellen ins Spiel, wird es - sagen wir - herausfordernd. Dauert das Ganze ein, zwei Stunden, lässt sich auch das leicht meistern, geht es aber die ganze Nacht so, sind Durchhaltewillen und Kondition gefragt.

Nun ja. Wir hatten beides und obendrein Glück, denn wir durften am Morgen in Norderney einen freien Hafenplatz belegen, um später mit den Freunden zu feiern. Schliesslich schrieben wir den 1. August - den Schweizer Nationalfeiertag. Unsere "Heimkehr" nach der langen Zeit spielte da nur eine untergeordnete Rolle. Oder nicht? Jedenfalls fühlten wir uns herzlich willkommen und hatten natürlich viel zu erzählen.

Die letzte Etappe war dann wieder weniger spektakulär. Parallel zur West-Ost-Schifffahrtsroute nahmen wir Cuxhaven, eine Übernachtung später die Einfahrt des Nord-Ostsee-Kanals in Brunsbüttel in Angriff. Das Wetter spielte zur Versöhnung mit und erlaubte uns eine entspannte, von Ozeanriesen oder Küstenwachschiffen und jeder Menge von Bojen vorgezeichneten Fahrt.


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