Aller Anfang ist schwer


Für die Überführung hatte ich durch die Reparaturen nicht nur viel Zeit, sondern auch die ursprünglich mit angereiste Crew verloren. Die beiden Freunde hatten sich (wie erwähnt) angesichts der aufgetauchten Probleme rasch verabschiedet. Immerhin konnte ich die dadurch aufgerissene Lücke wieder füllen, denn in allen grösseren Häfen und Marinas offerieren mehr oder weniger erfahrene Skipper ihre Dienste, wenn es darum geht, ein Schiff zu überführen - mit oder ohne Eigner an Bord. Die Länge des aktuellen Törns und damit seine Dauer stellte sich indes als Handicap heraus, da die Kandidaten, mit denen ich sprach, meist nur über (sehr) begrenzte Zeit verfügten. Also musste ich die Crew unterwegs wechseln. Doch auch das klappte, zumal Suzanne in Camariñas, also kurz vor La Coruña, an Bord kam und von da an mit Hand anlegte.

Am Abend des 19. Juni, es war ein Sonntag, verliessen wir endlich Almerimar - und zwar zu Dritt. Als Skipperin amtete Captain Emanuelle Putman, eine französische Segelinstruktorin, die sich mit der Überführung von Segelschiffen etc. ihren Lebensunterhalt verdient und ihre Aufgabe auf der WoC mit grosser Ruhe, mit Überblick, viel Charme und professioneller Planung erledigte. Ich kann sie nur weiterempfehlen. Unterstützt wurden wir von Javier Cruz, einem Spanier, der sich seine Ausbildung zum Schiffsführer mit Überführungen etc. verdient.

Der erste gemeinsame Schlag sollte uns über Nacht gleich bis Gibraltar führen. Wir hatten zwar Wetterglück, dass der Wind - was eher selten ist - von Osten her blies, aber dies dafür so schwach, dass wir den Motor gleich zu Hilfe nehmen mussten, um uns dem Ziel zu nähern. Der Vorteil war, dass ich gleich testen konnte, wie es um den Diesel- und vor allem um den Ölverbrauch des DAF 575 D-Aggregats bestellt ist. Gibraltar stand als erstes Ziel auf dem Routenplan, weil die WoC dort aufgetankt und damit für die weitere Reise vorbereitet werden sollte. Da die Zapfsäulen in Gibraltar um 18.00 Uhr bereits geschlossen waren, blieben wir über Nacht und liessen es uns in einem gemütlichen Hafenrestaurant gutgehen. Gerade noch hatte ich einen Beitrag in der NZZ gelesen, was die Einwohner von Gibraltar von der Schnapsidee BREXIT hielten, nämlich gar nichts. Damals stand die Abstimmung allerdings noch einige Tage bevor.

Am nächsten Morgen wurde ich einmal mehr von der WoC überrascht, als der Tankwart beim Auffüllen nach knapp 700 Litern Diesel berichtete, der Tank sei voll. Als wir an der Tankstelle festmachten, stand die Tankuhr kurz vor Reserve. Und der Tank - besser die beiden Tanks - fassen immerhin 1500 Liter. Das Rätsel entpuppte sich später. Die Tankuhr zeigt erst den Stand des ersten Tanks, um dann - wenn dieser leer ist - zum zweiten zu wechseln. Der zweite war also noch voll. Man muss also immer wissen, welcher Tank angezeigt wird. Wenn man ständig an Bord ist, kein Problem, aber wenn man ein Schiff übernimmt... In diesem Fall war es erfreulich.


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