September 2019 

Letzte Törns entlang des europäischen Festlands

Eins sei vorweggenommen: Unseren Parasailor konnten wir im zurückliegenden Monat nicht ausprobieren, der Grund: den ganzen Monat hatten wir keinen Tag mit passendem Wind. Wir hoffen, dass der Oktober uns holder gesinnt sein wird .....

Über Sesimbra, wo wir vor Anker lagen, nahmen wir Kurs auf Sines, Geburtsort von Vasco da Gama (1460 - 1524), einem portugiesischen Entdecker, der erstmals zu Wasser Indien erreichte. Seine Statue thront hoch oben über dem Meer. Im Süden der Stadt soll ein gigantischer Industriehafen entstehen, der unter anderem  als kritisches Erfolgsmoment der chinesischen Seidenstrasse genannt wird. Erste Schritte sind bereits vollzogen. Doch in der Marina, die sich vor der hoch oben liegenden Altstadt befindet, kriegt man davon nichts mit. Mit unserem sehr kleinen Portugiesisch-Wortschatz suchten wir im Ort ein Geschäft, um Schrauben zu  kaufen, die an der Ankerwinsch gebrochen waren. Nach mehreren Anfragen half uns ein freundlicher älterer Portugiese weiter und begleitete uns bis in ein typisches Chinesen-Geschäft und dort zu einem umfassenden Schraubenangebot. Wir wurden fündig.

 

Mit einem Nachttörn verabschiedeten wir uns von der Westküste von Portugal und kamen am Morgen in Lagos an der Algarve an. An den Ort mit seinen vielen Touristen mussten wir uns zuerst gewöhnen. Doch auch wir schwammen im warmen Meer und unternahmen mit unserem Dingi einen Ausflug zu den eindrücklichen Klippen und Grotten der Ponte de Piedade. Wir genossen unseren Aufenthalt also trotz der touristischen Ausprägung des Ortes. Bei dieser Gelegenheit bemerkten wir, dass unser Gummiboot immer wieder Luft verliert und sein Zweitakter-Aussenborder Benzin. Kurzerhand beschlossen wir, in ein neues Boot mit sauberem 4-Zylinder-Motor zu investieren.

 

Auch der nächste Ort, Albufeira ist ein Touristenort an der Algarve. Mit raumem Wind von 20-30 Knoten legten wir die Strecke ohne Motorhilfe zurück. Es war wieder einmal traumhaft. Die moderne Touristensiedlung an der Marina ist mit ihren farbigen Häusern sehr schön anzusehen. Ein Tuk-Tuk brachte uns in die hoch oben über dem Sandstrand gelegene Altstadt. Dort genehmigten wir uns in einer Adlerhorst-ähnlichen Bar einen leckeren Aperitif und liefen durch die Gässchen zu Fuss zurück zur Marina. Bei unserem nächsten Halt im Haff-Gebiet vor der Insel Culatra, einem Teil des Naturparks Ria Formosa, ankerten wir ein paar Tage. Mit dem Dingi besuchten wir Olhão mit seinen engen Gassen und weissen, würfelförmigen Terrassenhäusern. Den Besuch von Faro mussten wir, als wir den Ort erreicht hatten, abrupt abbrechen, weil dunkle Regenwolken aufzogen. Der Weg dorthin zog sich enorm in die Länge, weil wir selbst mit dem Dingi, das nur wenig Tiefgang hat, darauf achten mussten, dass wir im Wattenmeer den richtigen Weg fanden und nicht im Sand steckenblieben.

In Vila Real de Santo Antonio liegt unsere letzte Marina in Portugal, direkt an der Mündungsbucht des Rio Guadiana, dem Grenzfluss zu Spanien. Dort spazierten wir durch die engen, schachbrettförmig angelegten Gassen und genossen auf dem Hauptplatz noch einmal die in Reis gekochten Meeresfrüchte und Fischstücke sowie Pastéis de Natas als Dessert. Über Nacht ging's weiter nach Càdiz. Die Altstadt von Càdiz zeichnet sich durch vier- bis fünfstöckige Häuser aus, die an engen Gassen aufgereiht sind, die man am besten zu Fuss durchläuft. In den Quartieren aus dem Mittelalter, z.B. im alten Fischerviertel, sind die Häuser nur zwei bis dreistöckig, doch die Gassen noch enger. Dazwischen findet man immer wieder schöne Plätze mit Restaurants und oft einer Kirche. Mit den Fahrrädern konnte man Cadiz auch ganz gut erkunden. So fuhren wir über die Uferpromenade, die uns mehrmals durch Ruhe und Schatten spendende Parks führte. Um Sonne und Wind und nur im Notfall den Dieselgenerator zur Stromproduktion zu nutzen, liessen wir uns in Cadiz zusätzlich zu unserem Windgenerator ein Sonnenpanel montieren. Nachdem dies eingerichtet war, setzten wir unsere Reise nach Barbate fort. Barbate ist nicht wirklich sehenswert, ausser einer Strasse, die mit zahlreichen blühenden Pflanzen dekoriert ist. Doch Barbate gilt als das Thunfisch-Zentrum von Spanien, und das verpflichtete uns geradezu, ein Thunfischgericht vor Ort zu probieren. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, dass es ganz verschiedene und unterschiedlich wertvolle Teile im Thunfisch gibt. Wir wählten beide ein anderes Gericht - überzeugt haben sie uns beide. 

Um mit der Strömung, die durch Ebbe und Flut verursacht wird, in Windeseile nach Gibraltar zu gelangen, warteten wir die beste Zeit (zwei Std, vor bis 3 Std. nach Hochwasser in Gibraltar) ab. Es funktionierte, und wir machten bis zu 8 kn Fahrt. Leider fanden wir in der Marina Bay selber keinen Platz, alles war ausgebucht. So wichen wir auf die andere Seite der Flugpiste nach La Lìnea in Spanien aus. Mit den Fahrrädern war es trotz langen Staus ein Leichtes, über die Grenze zu kommen. Weil Suzanne ihre jährliche „Lebens-Bestätigung“ für die AHV-Ausgleichskasse beibringen musste, suchten wir das Schweizer Konsulat in Gibraltar. Ein netter Engländer, der im gleichen Gebäude sein Büro hat, zeigte uns den Weg dorthin. Wir durften auch unsere Fahrräder dort an einem sicheren Ort parkieren. So konnten wir an einem Tag in Ruhe die Altstadt mit den engen Gassen, die supermodernen Hochhäuser der Neustadt, den Park mit einem Teich mit farbenprächtigen Kois und die attraktiven Restaurants am Meer besuchen sowie an einem anderen den Felsen von Gibraltar mit seiner Affenkolonie zu Fuss besteigen. Die Affen sind den Touristen, die meistens mit der Gondelbahn oder Taxis auf den Felsen fahren, nicht immer wohlgesinnt. Jörg beobachtete, wie ein Affe mit seinem Jungen den fotografierenden Touristen davonlief, weil sie ihn bei der Kinderpflege störten. Zeit brauchten wir auch, um uns für die Überfahrt zu den Inseln von Madeira vorzubereiten.

Im nächsten Monat werden wir berichten, wie wir segelnd (!) Porto Santo erreichten.