April 2020

An der kurzen Leine im Seglerparadies

Der April war für uns ein ruhiger Monat, wir haben zwar verschiedene Ankerbuchten und Moorings getestet, aber alle Orte lagen in einem eng begrenzten Gebiet: Im Inselstaat St. Vincent and the Grenadines. Einem Paradies für Segler, das dieses Jahr indessen nur von ganz wenigen - wie wir - besucht wurde. Praktisch alle Hotels, die meisten Stände am Strand und die meisten offiziellen Customs- und Immigration-Büros waren geschlossen. Von Tourismus-Trouble konnte keine Rede sein. Kreuzfahrtschiffe gab's keine. Eine Rückkehr in die Vergangenheit? Wenn ja, dann nur für kurze Zeit. Für uns waren es alles in allem idyllische Verhältnisse, für zahlreiche Menschen in der Region jedoch weniger. Doch dass die Bewohner der Inseln wegen der ausbleibenden Touristen kapituliert hätten, davon haben wir nichts bemerkt. Dennoch gehen wir davon aus, dass sie sich die Verhältnisse, die sie von früher kennen, zurückwünschen. Das hat vor allem ökonomische Gründe. Denn das Leben muss weitergehen, auch in der Karibik.    

Weil im Nachbardorf der Wallilabou Bay, wo wir anfangs April lagen, die Einkaufsmöglichkeiten etwas beschränkt waren, beschlossen wir, in die Blue Lagoon südlich von Kingstown zu segeln. Dort angekommen, fanden wir uns in einer idyllischen Bucht wieder, wo wir an einer Boje ganz in der Nähe vom Strand festmachen konnten, umringt von anderen Segelbooten, die aber fast alle verwaist waren. Jeden Morgen vor dem Frühstück schwammen wir wieder ausgiebig. Zu Fuss erkundeten wir die Umgebung oder schnorchelten bei einem nahe gelegenen Felsen, zu dem uns unser Dingi brachte. Vor Ostern erfuhren wir, dass wir uns in St. Vincent & the Grenadines frei bewegen dürfen. Immerhin das, denn alle anderen Inseln waren geschlossen. Bevor wir die Inselwelt der Grenadinen inspizierten, wollten wir jedoch noch die Hauptinsel etwas näher kennenlernen. In St. Vincent gibt es eine Küstenstrasse im Osten und eine im Westen, die jedoch im Norden nicht miteinander verbunden sind, also praktisch als Sackgassen angelegt wurden. Der Küste entlang fahren heisst zudem, man fährt auf schmalen, kurvigen und steilen Strassen aufwärts, anschliessend zum nächsten Ort wieder abwärts usw., bis man am Ende der Strasse ankommt. Dann geht’s zurück.

Nach Ostern segelten wir südwärts nach Port Elisabeth auf Bequia und nach einer Woche weiter nach Charlestown, Canouan Island, beides kleine Inseln mit schönen Buchten vor Orten mit guten Einkaufsmöglichkeiten. In Port Elisabeth nahmen wir am Sonntag in einem eigentlich geschlossenen Hotel zusammen mit anderen Seglern – meist Amerikanern – an einem BBQ-Lunch teil. Zu Gesprächen kam es indes nicht – auch hier wurde vom Veranstalter auf Distance geachtet. Auf Canouan Island wanderten wir zu einer vor kurzem direkt neben dem Flughafen eröffneten Marina mit Hotelanlage im italienischen Styl. Im wunderschön gelegenen Restaurant – dem einzigen Geschäft in der Anlage, das geöffnet hatte (Frage, für uns?), wo wir uns eine kleine Zwischenverpflegung gönnten. Vom Platz aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die Tobago Cays und konnten uns schon einmal auf eines unser nächsten Ziele einstimmen. 

Zurück auf der WoC, kam ein Fischer mit seinem Boot vorbei und brachte uns – vereinbarungsgemäss – fünf frisch gefangene Langusten. Zum Glück gab er uns auch noch eine Kurzanleitung mit, wie wir diese essfertig vorbereiten sollten. Das Kochen war kein Problem, aber das Freilegen des Fleischs gab schon eine Menge zu tun, doch Zeit hatten wir ja zur Genüge, und gelohnt hat es sich allemal, das können wir euch versichern.

Salt Whistle Bay, Mayreau, und Tobago Cays. Das sind die Namen unserer nächsten Ziele. Beide Regionen gehören heute zum Tobago Cays Marine Park und Besucher werden von Rangern begrüsst und um ihr Eintrittsgeld gebeten. Wie alle Menschen in der Region sind auch die Ranger äusserst freundlich und hilfsbereit. Mayreau ist die kleinste der Grenadinen Inseln. Auch dort genossen wir die Tage , erkundeten gemütlich zu Fuss die Insel, schwammen, schnorchelten und lasen, wobei wir konstatieren mussten, dass die Tage auch ohne Daueraktivitäten rasch zu Ende gehen... Über unsere Erlebnisse auf den Tobago Cays berichten wir anfangs Juni auf der nächsten Website. Was wir euch schon jetzt verraten können (wenn ihr es nicht längst bemerkt habt) ist, es geht uns ausgezeichnet, auch wenn unser Flug nach Europa gestrichen wurde und wir nicht wissen, wann wir nach Curaçao einreisen dürfen, um das Schiff dort aus dem Wasser zu holen und zu überholen sowie uns ins Flugzeug nach Europa zu setzen. Wir kommen, das ist versprochen, aber wann, das ist offen. Ein Virus hat die Welt im Griff – und uns auch, zumindest ein wenig. 

Soviel für heute. Schon bald melden wir uns wieder aus der wunderschönen aber auch windigen Karibik.