Juni - September 2020

Zu Besuch bei lieben Leuten

Nach einer langen Sendepause melden wir uns auf unserer Website zurück. Wen und was wir seit Juni 2020 erlebt haben - vielleicht seid ihr ja persönlich erwähnt - haben wir im folgenden zusammengefasst. Vor zwei Wochen - genau am 30. September sind wir von unserer zweiten Wohnung in der Altstadt von Willemstad, dem Hauptort von Curaçao, auf die fast fertiggestellte, aber immerhin wieder schwimmende WoC zurückgekehrt. Mit einem kleinen PW konnten wir unser ganzes Gepäck und ein paar Neuerwerbungen zum Schiff transportieren, um uns dort einzurichten. Doch bis es soweit war, haben wir viel erlebt.

Nach unserem kurzen Quarantäne-Aufenthalt (s. letzte Website) sind wir am 4. Juni problemlos – d.h. der Flug war problemlos, dessen Buchung und Terminierung indessen das Gegenteil – von Curaçao nach Amsterdam geflogen. Auf der Weiterreise mit dem Zug nach Düsseldorf, wo wir unser Mietauto abgeholt haben, sowie auf der Fahrt in die Schweiz wurden wir zu unserem Erstaunen nirgendwo angehalten und kontrolliert, auch nicht an den Grenzen. Die Corona-Restriktionen bemerkten wir insofern, als es nur wenig Autoverkehr gab. Dieser unbeschwerte Anfang stimmte uns denn auch sehr zuversichtlich, und zu unserer Freude blieb es auch so während der gesamten Zeit unserer Besuche in der Schweiz und Deutschland. Die Zeit mit Geschwistern, Verwandten und lieben Freunden haben wir sehr genossen, in jeweiliger Begleitung unternahmen wir Wanderungen und/oder ausgedehnte Spaziergänge, so im Wald von Wallisellen, unterhalb des Bürgenstocks, am Ufer des Sempacher sowie über die Hänge des Bieler Sees; zudem entlang der Aare bei Bern, dann auf dem Gurten, über die Juraweiden, im Oberbaselbiet – wo wir sogar eine Gämsherde beobachten konnten -, zudem im Schwenninger Moos, zur Burg Hohenzollern, dem Stammsitz des preussischen Königshauses und der Fürsten von Hohenzollern, auf der Schwäbischen Alb, durch Augsburg und den englischen Garten in München, schliesslich auch in Tecklenburg (auf Wegen, die nicht einmal Jörg kannte). Am Lech genossen wir den Fahrtwind unserer Velos, ansonsten immer wieder Energie und gute Laune liefernde Getränke samt gutem Essen und vielen interessanten Gesprächen. So haben wir einmal mehr diverse uns noch unbekannte Gegenden in der Schweiz und Deutschland kennengelernt. Besonders wichtig ist uns die Erkenntnis, dass wir in den beiden Ländern Adressen und Freunde haben, mit denen wir uns bestens verstehen und die sich offensichtlich freuen, wenn wir mal wieder auftauchen… Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen herzlich für die wunderschöne Zeit, die wir mit und bei ihnen erleben durften. 

Bevor wir nach Tecklenburg gefahren sind, haben wird zwei Wochen im Herzen von Schleswig-Holstein verbracht, um das nördlichste Bundesland noch besser kennenzulernen und um Notwendiges wie Zahnarzt- und Arztbesuch zu erledigen und – natürlich – Ersatzteile für die WoC zu beschaffen.

Mitte August sind wir von Düsseldorf, wo wir unseren Mietwagen zurückgegeben haben, mit dem Zug nach Amsterdam gefahren und sind dort – um Zeit für ein wenig Sightseeing zu gewinnen – noch ein paar Tage geblieben. Die Stadt hat so vieles zu bieten, dass die Zeit rasch verging. Ulrike und Manfred aus Tecklenburg haben uns für einen Tag dort besucht, primär um uns zwei kleine Ersatzteile für die WoC zu bringen, die erst kurz nach unserer Abreise bei ihnen eingetroffen waren. Im Gegenzug haben wir beide aufs Wasser verfrachtet, auf einen typischen Grachtenkreuzer, der uns für zwei Stunden Blicke aus einer speziellen Perspektive auf die einzigartige Amsterdamer Architektur und Wohnkultur offerierte. Am letzten Tag vor dem Abflug warteten wir gespannt auf das Resultat unserer Coronatests, die wir in Amsterdam über uns ergehen lassen mussten. Beide wurden wir negativ getestet, so dass unserer Einreise nach Curaçao nichts mehr im Wege Stand.

Auf der WoC wollten wir – auch wenn es Leute gibt, denen das nichts ausmacht – noch nicht leben, solange sie aufgebockt in der Marina lag. Also mieteten wir in der Altstadt von Willemstad für einen Monat eine kleine Wohnung unter dem Dach eines typischen Holzhauses. Da die WoC nach Ablauf dieser Zeit noch immer nicht bezugsbereit war, zogen wir nach Ablauf der Zeit in ein zweites, deutlich komfortableres Appartement und blieben dort fast drei Wochen. Die anderthalb Monate in der Altstadt von Willemstad gingen rasch vorüber. Währenddessen erhielt die WoC einen neuen Unterwasserschutz und einen neuen Fäkalientank. Beim alten war eine Schweissnaht leck geworden und hatte uns seit langer Zeit viele Unannehmlichkeiten besorgt. Auch wir selbst haben uns an der WoC zu schaffen gemacht. Es ist erstaunlich, was der hohe Kalkanteil im Meerwasser anrichtet. Reisverschlüsse, Klemmen, Taue und vieles mehr müssen regelmässig entkalkt werden. Auch der Rost breitet sich – vom Salz motiviert – überall aus und muss bekämpft werden. Es gibt „tausend“ kleine Sachen, die repariert oder gepflegt werden wollen, damit das Schiff in Schuss bleibt.

 

Doch – keine Angst – wir schaffen nicht nur, einmal in der Woche sind wir ans Meer gefahren zum Schwimmen und Schnorcheln im glasklaren Wasser. Mit einem Mietauto haben wir Ausflüge auf der Insel unternommen und so ihre Reize, aber auch ihre Schattenseiten entdeckt. So sind die schmale Einfahrt in den Industriehafen und zur Marina mit ihren farbigen Häusern und Gebäuden, vor allem mit der alles überspannenden Hochbrücke im Hintergrund sowie einer eingangs zu passierenden Schwimmbrücke (für Fussgänger) bekannte Fotosujets. Die Altstadt Pietermaai, in der wir gewohnt haben, zeichnet sich durch enge Strassen mit farbigen, nicht immer frisch gestrichenen Häusern, aber auch zahlreichen geparkten wie fahrenden Autos aus. Viele Bars und Restaurants ergänzen das Bild, wobei Corona auch hier dafür sorgt, dass mangels Touristen viele gedeckte Tische am Abend leer bleiben und alle Bars und Restaurants gemäss Vorschrift spätestens um 23 h schliessen. Vor Corona sollen die Stühle erst am frühen Morgen auf die Tische gestellt worden sein und es hätte viel mehr Leben in der Stadt gegeben, wurde uns berichtet.  

Immerhin haben wir bemerkt, dass die Hotels am Strand, den wir mehrfach aufgesucht haben, wieder mehr Gäste beherbergen dürften als zu Beginn unseres Aufenthalts. Wobei Holländer hier den Hauptharst ausmachen. Gerade jetzt, am 10.10.2020, beging Curaçao seine zehnjährige Unabhängigkeit von Holland, doch die Treue der Holländer zu ihrer Insel auf den Holländischen Antillen scheint deshalb kaum nachgelassen zu haben.

Zu den Schattenseiten der Insel gehört der oft sorglose Umgang mit der Natur. Während rund um Hotels, bewirtschafteten Stränden sowie eingezäunten und bewachten Resorts absolute Ordnung und Sauberkeit herrschen, trifft man abseits davon immer wieder auf Ansammlungen von Schrott und Müll und Berge von Glas und Plastik. Offiziell wird Umweltschutz zwar hochgehalten und gefordert, doch zwischen Realität und Ziel scheint noch ein langer Weg zu liegen. Hier gibt es noch einiges zu lernen und zu tun. 

Bis Ende November müssen wir wegen der Hurrikan-Saison im Süden der Karibik bleiben. Eigentlich wollten wir während dieser Zeit mit einem Wohnmobil Argentinien und Chile oder Peru besuchen. Corona hat dies erfolgreich verhindert. Gemäss unserer Planung werden wir bis Ende Oktober auf Curaçao bleiben und dann für einen Monat nach Bonaire segeln. Wie es danach weitergeht, ist noch offen, weil sich die Situation rund um das Virus fast täglich ändert. Ihr werdet es Ende November erfahren, was wir bis heute noch nicht wissen...

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