März 2021

Arm, aber hilfsbereit und freundlich 

Die Dominikanische Republik ist vor allem bekannt, weil Kolumbus auf seiner ersten Entdeckungsreise in die neue Welt auf dieser Insel landete. Weil es immer wieder regnet, ist sie ausgesprochen grün. Unsere Marina in der Bahia de Samana gehört zu einem Resort, das im westlichen Stil gebaut wurde und sehr ruhig und sauber ist - wobei das dazugehörige Hotel zurzeit weitgehend leersteht. Ausserhalb dieses grosszügig bemessenen Bereichs leben die Leute in farbigen, meist selbstgebauten winzigen bis zweistöckigen Stein- oder Holzhäusern, wobei der Eingangsbereich und die Fenster der grösseren Häuser durchwegs mit Gittern versehen ist. In den grösseren Orten ist es extrem stickig, lärmig und hektisch, u.a. wegen der vielen Töffs (100 bis 200 ccm Hubraum und mehrheitlich Zweitakter, wie auch die Aussenborder an den Ausflugsbooten...), auf denen manchmal bis zu drei Leute sitzen – darunter auch kleine Kinder – und auf denen selbst Gasflaschen und andere sperrige Güter transportiert werden, die so breit sein können wie ein Auto. Doch auch PWs lärmen und hupen um die Wette, ob sie jemand überholen oder nur grüssen wollen. Verkehrsregeln gibt es zwar, aber diese werden kaum beachtet. Trotz allem passiert sehr wenig. Wir haben trotz 1000 km zurückgelegter Strecke in verschiedenen Teilen des Landes keinen einzigen Unfall gesehen. Ein paar Autowracks allerdings. 

Die Dominikanische Republik ist eine Klassengesellschaft. Es gibt wohlhabende und gutsituierte Familien und auch etwas wie eine Mittelschicht. Doch der Grossteil der Gesellschaft muss mit sehr wenig über die Runden kommen. Vor allem in den Städten gehört die Hektik zum Alltag, in kleinen Garagenbetrieben für Töffs und Autos wird Hilfe angeboten, Verkaufsstellen für prepaid SIM-Karten verteilen sich über das ganze Land. Stände zum Verkauf von Früchten und anderen Dinge säumen die Strassen. In den Dörfern geht das Leben etwas ruhiger vonstatten. Hier trifft man immer wieder auf kleine Gruppen von Menschen, die es sich im Schatten bequem gemacht haben und - hier und da lautstark - Musik hören. Doch egal, ob auf dem Land oder in der Stadt, alle Menschen, mit denen wir Kontakt hatten, waren entgegenkommend, freundlich und hilfsbereit, auch wenn es mit unserem Spanisch und ihrem Englisch nicht so weit her war.   

Samanà liegt in der nach ihr benannten Bucht im Schutz einer kleinen Insel, die über eine Brücke zu Fuss zu erreichen ist und von der die Stadt auf der einen und die Bucht auf der anderen Seite gut zu überblicken ist. Die Dominikanische Republik ist aber auch bekannt für ihre Traumstrände, und selbstverständlich besuchten wir einige davon. Unter Palmen in einem bequemen Liegestuhl am weissen Sandstrand zu liegen und sich im laufwarmen Meer sowie durchaus kräftig blasenden Wind abzukühlen, wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Landwirtschaft scheint ein grosser Erwerbszweig zu sein. Wir sind an vielen Weiden vorbeigefahren, auf denen Kühe und Pferde grasten. Wo es flach ist, wird Reis angebaut. Zuckerrohr, Papaias und Ananas werden auch auf hügeligem Gelände angepflanzt, und alles ist unterbrochen von Gebieten von wildwuchernden subtropischen Pflanzen wie Palmen, Kakteen, Aloe Vera, Farnen, farbig blühenden Bäumen und vielem mehr. .

Vom Januar bis Ende März können am Eingang zur Bucht von Samanà vorbeiziehende Buckelwale, die sich hier paaren und ihre Jungen zur Welt bringen, beobachtet werden. Mit einem Ausflugsboot wollten wir uns dieses Spektakel anschauen. Es entpuppte sich dann aber eher als Wale-Chasing denn als Wale-Watching. Sobald eine Mutter mit ihrem Jungen gesichtet wurde, steuerten etwa zehn Boote darauf zu. Die jungen Wale müssen etwa im Minutentakt Luft holen im Gegensatz zu den erwachsenen Tieren, die mühelos eine halbe Stunde unter Wasser bleiben können, und deshalb viel schwieriger zu sehen sind, obwohl sie mit grossen Wasserfontänen auf sich aufmerksam machen. und mich zu bearbeiten.

Mit unserem kleinen Suzuki besuchten wir etwa einen Drittel des Landes, das flächenmässig etwas grösser als die Schweiz ist. Wir fuhren zur Hauptstadt Santo Domingo im Süden der Insel, besuchten die Küste, die östlich davon liegt, und erkundeten selbstverständlich die Halbinsel Samana, an der unsere Marina liegt. Mit einem kundigen Führer wanderten wir zum Salto (Wasserfall) el Limon. Er zeigte uns nicht nur den grün bewachsenen und wegen seiner Höhe eindrücklichen Wasserfall, sondern auch wild wachsende Ananas-, Kakao- und Kaffeepflanzen (Bilder oben). Am Fusse des Wasserfalls kam ein junger Mann auf uns zu und setzte uns seinen Papagei auf den Arm. Im Nationalpark Cotubanamà wanderten wir wieder unter kundiger Führung zu zum Teil furchteinflössenden und unter Wasser liegenden Höhlen. In einer solchen tummelten sich drei Taucher mit Taschenlampen, was gespenstisch aussah. Auf dem Weg beobachtete uns von einem Felsen herab ein Kauz und in einer der Höhlen, die alle Wasser enthalten, schwammen sogar Wasserschildkröten, die sich vor uns leider versteckten. Auf dem Rückweg von der Ostküste fuhren wir über Higüey, dies ist eine der ältesten Siedlungen in der neuen Welt und liegt im Landesinneren. Während die Strassen der Küste entlang Autobahnstandard aufweisen, sind die Strassen im Landesinneren zum Teil nicht einmal mehr befestigte Erd-Strassen, sondern nur noch Wege, auf denen sich Felsen und Erdlöcher abwechseln, so dass es manchmal verwunderlich war, dass sich das Auto nicht auf irgendeinem Felsbrocken aufgebockt hat. Bodenberührung gab es immer wieder. Jörg hat diese zum guten Glück „nur“ etwa 10 km lange Abenteuerfahrt genossen, war aber doch froh, dass ein Grossteil der Strasse geteert war, wenn auch diese zum Teil mit Schlaglöchern durchsetzt war oder mit abgesenkten Gullideckeln, die immerhin gelb umrandet waren. Zudem gab es festgestampfte Naturstrassen.

Für vier Tage sind wir zwischendurch zur der Marina gegenüberliegenden Seite der Bucht Samanà in den Nationalpark Haitises gesegelt und genossen dort in einer einsamen Bucht die absolute Ruhe. Sie wurde nur unterbrochen vom Geräusch der Flügelschläge der braunen Pelikane, die mit Anbruch des Tages auf Fischfang gingen und sich dazu immer wieder senkrecht ins Meer stürzten. Zusammen mit unserem amerikanischen Freund Tim fuhren wir mit dessen Dingi ein von Mangroven begrenztes Flüsschen hinauf und besuchten ein wunderschönes Ökoresort im Dschungel. An einem anderen Tag war eine nahe gelegenen Höhle das Ziel.

Bald ist Ostern, und wir feiern diese Tage zusammen mit Tim und den (gutsituierten) Einheimischen im Marina-Resort. Wir sind gespannt, wie sie Ostern begehen. Nach den Feiertagen segeln wir weiter nach Ocean World, einem nordwestlich gelegenen Hafen an der Nordküste der Dominikanischen Republik, um von dort aus zu den Bahamas zu gelangen. Wie es uns dabei ergangen ist, erfahrt ihr Anfangs Mai.