Juli 2019:

Von Guernsey über die sagenumwobene Biskaya

 

 

Nachdem uns Barbara und Alexander verlassen hatten, fuhren wir mit der WoC wie vereinbart in die Werft, die die herunterhängende Saling reparieren sollte. Dabei stellte sich heraus, dass die Wanten etwas abbekommen hatten und einen leichten Knick aufwiesen. Wir entschieden uns, sie zu ersetzen. Bis alles wieder in Ordnung war, dauerte es allerdings eine knappe Woche. Zeit für uns, die Insel mit dem Bus und zu Fuss zu erkunden. So besichtigten wir die angeblich kleinste Kirche der Welt, die ein Mönch erbaut und mit farbigen Scherben und Muschelschalen verziert hat. Wahrhaftig, die vielen Mosaike und Ornamente hatten es uns angetan. Ganz anders, aber auch das Museum, in dem die Schiffsunfälle, die sich vor der gefährlichen Felsenküste von Guernsey seit dem 16. Jhdt. ereignet hatten und registriert wurden, fand unser ungeteiltes Interesse. Nur nicht die Liste verlängern, hiess unsere Devise. Als die Reparatur am Schiff endlich erledigt war, blieb uns schliesslich keine Zeit mehr, auch noch Jersey zu besuchen, und so entschieden wir uns, direkt über die Biskaya nach A Coruna zu fahren. Bis kurz vor dem Ziel war das Wetter traumhaft, allerdings fast ohne Wind, so dass einmal mehr der Motor gefragt war. Doch kurz vor der spanischen Küste schlug das Wetter während der Nacht total um. Ein veritabler Sturm verlangte von uns beiden hundertprozentige Aufmerksamkeit und vollen Einsatz, schliesslich wollten wir ohne neuerliche Blessuren am Rigg oder sonst wo den grössten galizischen Hafen erreichen. Nach gut vier Tagen machten wir dort tatsächlich fest, erleichtert, dass wir alle Herausforderungen gemeistert hatten. 

Für Arbeiten am stehenden Mast ...
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... braucht's schwindelfreie Männer
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Die kleinste Kirche der Welt?
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Der Vergleich zeigt: ein Bijou
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Muscheln, wo der Blick hinfällt.
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Das Museum für Schiffsunfälle zeigt,
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dass diese keine Einzelfälle waren.
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Ein Schiff auf Raupen - praktisch?
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Finanzplatz Guernsey - CS vor Ort.
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Traumhafte Biskaya-Überquerung...
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... allerdings ohne Wind ...
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... dafür mit herrlichem Licht.
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Immer wieder begleiteten uns auf der Fahrt Delfine und Wale. Ein Wal – der Beschreibung nach war es wohl ein Buckelwal – schwamm sogar längere Zeit hinter und später neben unserer WoC her und hielt uns nicht nur als Fotograf in Schach. Als wir am Südzipfel von Guernsey vorbeifuhren, landete aus dem Nichts eine Taube auf unserer WoC. Sie war dreifach beringt – wohl eine Brieftaube – und war total benommen und kraftlos. Wir fütterten sie mit Wasser, Salat und Vollkornkeksen. Dadurch kam sie wieder zu Kräften und spazierte munter auf unserer WoC herum. Sie blieb über Nacht, doch als wir sie  am nächsten Tag nahe der Ile d’Ouessant loswerden wollten, gab sie uns zu verstehen, dass sie lieber an Bord bleiben wollte. Doch das wollten wir nicht. Schliesslich sollte sie wieder zurück an ihren Heimatort (den wir nicht kannten).  Wir versuchten sie also zu verscheuchen, aber sie kam nach einem grossen Bogen immer wieder zum Schiff zurück. Erst als wir ihr schon beim Anflug auf das Schiff zu mit viel Lärm und Armeschwenken zu verstehen gaben, dass wir ihre Zukunft nicht an Deck der WoC sahen, flog sie zu unserer Erleichterung in Richtung Insel und verschwand dort aus unserem Blickfeld. Wir waren erleichtert, auch wenn wir keine Ahnung hatten, wie sie ihre Zukunft dort gestalten konnte. 

Für uns war die Biskaya die erste mehrtägige Überfahrt zu zweit auf der WoC. Wir haben sie mit abwechselnden Nachtwachen und mit Kochen auf See etc. sehr gut gemeistert. Wichtig zu wissen für künftige Pläne. Die schönen Sonnenuntergänge, den silbernen Mondschein auf dem Wasser sowie die auf den Wellen „tanzenden Sterne“ haben wir jedenfalls genossen. Hellwach waren wir jeweils, wenn andere Schiffe – vor allem kreuz und quer fahrende Fischkutter – unseren Weg kreuzten. Die vierstündige Wache ging jedenfalls immer wieder rasch vorbei. 

A Coruna empfing uns erst einmal mit seinen Gallerias. Unser Hafenplatz war sehr zentral gelegen, und wir konnten alle Sehenswürdigkeiten zu Fuss erreichen. Erwähnte Gallerias konnten wir schon von Bord aus sehen. Selbstverständlich haben wir einen Teil der "längsten Meerpromenade Europas" erwandert und den ältesten noch funktionierenden Leuchtturm bestiegen und besichtigt. Mit der spanischen Eisenbahn fuhren wir natürlich auch nach Santiago de Compostela, um dort festzustellen, dass die Kathedrale total renoviert und das meiste innen und aussen hinter Plastikabdeckungen versteckt war.Doch auch hier war für einen Lichtblick gesorgt: Auf der Praza de Cervantes trafen wir erstmals (per gesteuertem Zufall auf) Markus und Renate, zwei Schweizer Freunde (die uns schon auf dem Göta Kanal geholfen hatten), die während zwei Wochen mit einem Mietauto Galizien erkundeten. 

Camarinas war unser nächster Zielhafen. Der Ort liegt ausgesprochen idyllisch in einer Bucht, umgeben von Wäldern. Mit den Fahrrädern umrundeten wir die wilde Steilküste des Cabo Vilan. Bei traumhaftem Wind segelten wir anschliessend dank unserem Parasailor mit Spitzengeschwindigkeiten von 7 kn in Richtung Fisterra. Doch wir hatten uns zu früh gefreut. Kurz vor dem Ziel mussten wir wegen des Kurswechsels nicht nur das Segel einziehen, sondern auch den Motor starten, um in die Bucht zu kommen. Nur mit Segeln gegen den Wind hatten wir keine Chance, Fisterra zu erreichen, selbst wenn es in Sichtweite lag. Doch ein lautes Pfeiffen machte uns klar, so geht's nicht weiter! Die Kontrolle zeigte rasch die Ursache: Einer der Keilriemen (für Wasserpumpe und Alternator) hatte (trotz regelmässiger Kontrolle mal wieder) den Geist aufgegeben und hing in Fetzen danieder. Da wir auf unsere Funkanfrage um Abschlepphilfe keine Antwort erhielten, beschlossen wir, den nächstgelegenen Hafen anzulaufen, der in Windrichtung lag: Für Suzanne hiess das, noch 15 sm nach Muros weitersegeln, für Jörg, "rasch" neben dem noch schön warmen Motor einen neuen Keilriemen aufziehen. Als Suzanne kurz vor Dunkelheit in der Bucht von Muros ankam, war der Keilriemen (just in time) ersetzt, und wir konnten in der Bucht zum ersten Mal unsere neue Ankerwinsch ausprobieren: sie funktionierte tadellos. Am nächsten Tag gingen wir mit dem Dingi an Land und besuchten mit Renate und Markus, (die wieder rein zufällig in der Gegend waren,) die Altstadt von Muros. 

In San Vicente do Mar - unserem planmässig nächsten - Hafen, wurden wir mit der Mitteilung empfangen, dass wir nur eine Nacht bleiben könnten, man sei total ausgebucht. Wir hatten Verständnis, denn der Hafen war klein. Doch nach dieser ersten Nacht war plötzlich eine zweite möglich und - wetterbedingt -, weil es am Morgen nach der zweiten Nacht in Strömen goss und man wegen des Nebels kaum das Nachbarboot sah, wurden es drei. Und wen trafen wir in San Vicente? Gut geraten: Renate und Mark. Zu viert genossen wir im Hafenrestaurant bei äusserst freundlicher Bedienung eine exquisite Fisch- und Meeresfrüchteplatte . San Vicente wird gelobt wegen seiner Natur. Der Ort ist zwar überbaut mit Ferienhäusern und –hotels, aber sobald man auf dem Bolen- und Naturpfad dem Meer entlang geht, ist man in der einsamen, wunderschönen Natur. Unsere Bilder sollten den Eindruck bestätigen. 

Eine kleine Kapelle thront ...
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... hoch über dem Meer mit Blick ...
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.. auf fast menschenleere Strände ..
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... und schäumendes Wasser.
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Ein Leuchtturm wenige Meilen weiter.
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Die WoC vor Muros vor Anker
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... und im Hafen San Vicente do Mar
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Ein langer Holzbolenpfad ...
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... erschliesst das Ufer km-weit
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...mit anregenden Felsformationen
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... und vielfältigem Bewuchs.
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Es durfte sogar farbig sein.
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Bei Flaute fuhren wir entlang der zerklüfteten galizischen Küste an den Inseln Ons und Cies vorbei, beides Naturschutzgebiete mit reglementierten Besucherzahlen, nach Bouzas, das ausserhalb von Vigo liegt. In Vigo trafen wir wieder per Zufall - doch dieses Mal zum letzten Mal - Renate und Markus, deren Urlaub fast zu Ende war. Zusammen besichtigten wir die lebendige Altstadt von Vigo und liessen uns auf einem der vielen Plätze kulinarisch verwöhnen. In Bouzas liessen wir dann noch den fälligen Oel- ud Filterwechsel vornehmen und alle Keilriemen überprüfen und zum Teil ersetzen. So konnten wir, ohne eine Panne zu befürchten, nach Baiona weiterfahren. Was wir dort und später unternommen haben, verraten wir anfangs September im nächsten Blog. .

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