Juli 2018

Durch die Schären von Finnland, Åland und Schweden

Nach unserem Abstecher ans Nordkap ging es Anfangs Juli richtig los mit unserer WoC. In Turku durften wir unseren ersten Gast an Bord begrüssen: Anna. Sie blickt auf eine lange Segel-Erfahrung zurück, hat sich aber von ihrem eigenen Schiff getrennt und freute sich auf Sonne, Wind und Wasser. Die nordischen Gewässer, speziell das Archipelago Südfinnlands, Ålands und Schwedens waren ihr so fremd wie uns. Wir waren also alle gespannt, was uns erwartete, als wir gemeinsam Kurs auf Parattula nahmen. Die Schären verlangten kontinuierlich unsere ganze Aufmerksamkeit. Ohne Suzannes penible Routenplanung sowie verlässliche Seekarten und Hafeninformationen hätte es kein Durchkommen gegeben, das wurde uns rasch klar. Erst musste man die geeignete Durchfahrt ausfindig machen, dann hiess es aufgepasst, dass sie nicht zu eng oder zu wenig tief waren, um allfällige Zweifel auszuräumen, sie ohne Grundberührung durchfahren zu können. Ständig schauten uns rund geschliffene Felsen, die nur wenig aus dem Wasser ragten, herausfordernd an, dann Klippen, bei denen wir besser auf gehörigen Abstand achteten. Nicht alle Routen waren so kritisch, weshalb uns hier und da sogar Marine- und Transportschiffe sowie grosse Fähren den Weg kreuzten. Parattula entpuppte sich als lauschiger Hafen inmitten von Schären und umgeben von Wald. Unser nächstes und mit dem Schiff nördlichstes Ziel in Finnland trägt den unvergesslichen Namen Uusikaupunki. Dort suchten wir die dort angesiedelte kleine Werft auf, die uns half, unsere wieder mal defekte Ankerwinsch in Gang zu setzen, wobei sich die Suche nach der Ursache als Hauptproblem herausstellte: ein Stecker war korrodiert und ein Kabel abgebrochen. Doch mit ein paar Messungen kamen wir dem Problem auf die Spur und der Schaden konnte rasch behoben werden. In Uusikaupunki schlenderten wir mit zahlreichen anderen Besuchern über den gross angelegten Flohmarkt und besuchten das einzigartige Bonk-Museum, das lauter kuriose Maschinen und Ideen ausstellt, Bonk Business ist eine fiktive Gesellschaft des finnischen Künstlers und Bildhauers Alvar Gullichsen. Im Museum werden Corporate- und Marketing-Klischees im retrofuturistischen Stil in Form von Geschichten, Produkten, Artefakten und Bildern aus- und dargestellt. So wird eine (auch mobile) Maschine gezeigt, die aus südamerikanischen Anchovis (Sardellen) Elektrizität gewinnt und auf Basis weniger Fische einem Haushalt eine Woche lang Strom liefert. Die Erfolgsstory der Anchovis-Energie ist nur eine der vielen humoristischen Geschichten, die den Museumsbesucher zum Nachdenken und Schmunzeln bringen. 

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Weiter ging's nach Åland, einer zu Finnland gehörigen Inselwelt, in der jedoch die schwedische Sprache vorherrscht. Über den kleinen Ort Jurmo gelangten wir schliesslich nach Kumlinge. Dort aktivierten wir wieder mal unsere Fahrräder und suchten die abgelegene Dorfkirche mit Friedhof sowie das Nordende der Insel auf, von dem eine Fährverbindung zu benachbarten Inseln führt. Über Degerby erreichten wir ein paar Tage später Mariehamn, die Hauptstadt von Åland. Mariehamn ist eine vergleichbar lebhafte Stadt mit einer ausgewiesenen Fussgängerzone, diversen Restaurants und vielen Geschäften. Besonders gut in Erinnerung haben wir die im Hafen vertäute Dreimastbarke „Pommern“, ein 106 m langer Frachtsegler, der 1903 in Glasgow vom Stapel lief und die ersten Jahre unter Hamburger Reedern die Weltmeere befuhr. 1923 kam sie nach Mariehamn, wo sie für Massenguttransporte sehr erfolgreich eingesetzt wurde. Erst viel später wurde sie zu einem Museumsschiff umgebaut. Zurzeit wird dieses einmal mehr restauriert und erhält ein neues Dock, um weiterhin Touristen anzuziehen, um ihnen die lange und erfolgreiche Geschichte der Barke zu vermittel.  

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Von Mariehamn machten wir uns auf den Weg nach Stockholm. Die Fahrt durch Åland in Richtung schwedische Küste konnten wir mit vollen Segeln so richtig geniessen. Über den kleinen Hafen Blidö und die respektable Svinninge Marina erreichten wir die schwedische Hauptstadt. Dort blieben wir ein paar Tage, um uns in Ruhe umzusehen. Die Altstadt (Gamla Stan), aber auch der Nordteil (Norrmalm) und Djurgarden, vor allem aber das Vasa-Museum mit seinen umfangreichen Erläuterungen über das legendäre Kriegsschiff, das 1628 kurz nach der Einwasserung ganz in der Nähe des Hafens aufgrund eines konzeptionellen Fehlers gesunken ist, haben uns besonders beeindruckt. In Stockholm verliess uns Anna, dafür bezogen Suzannes Cousin Markus und seine Partnerin Renate die Besucherkoje. Zu viert ging’s erst einmal nach Ornö. Dort kühlten wir uns – da es seit gut einer Woche gegen 30 Grad warm war - beim Schwimmen im leicht aufgewärmten Wasser zum ersten Mal ab. Als nächste Station hatten wir Trosa, ein malerisches Städtchen mit alten Holzhäusern, gewählt. Der Hafen war sehr gut besetzt, doch wir konnten einen der letzten freien Bojen-Plätze ergattern, wobei der fehlende Respekt der WoC vor „Plastikbooten“ half, die entdeckte Lücke so zu erweitern, bis sie passte. Am nächsten Tag ging es weiter über Öxelösund nach Stegeberg, dem letzten Hafen vor dem Göta Kanal. Zum Teil führte unser Weg wegen Untiefen und Steinen wieder mal durch enge Durchfahrten und erforderte wieder unsere volle Aufmerksamkeit. Auf besonderen Wunsch von Markus setzten wir dennoch - wenn immer möglich - die Segel. Leider war der Wind bei anhaltender Hitze häufig zu schwach oder kam aus der falschen Richtung. Auch wenn wir unseren Gästen zeigen wollten, wie gut unsere WoC segeln kann. bot sich unter diesen Bedingungen leider nur selten Gelegenheit dazu. Die beiden müssen also eines Tages wiederkommen, wollen sie das erleben. Aber noch sind sie ja noch lange an Bord...  

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Am 24. Juli meldeten wir uns in Mem für die Durchfahrt durch den Göta Kanal an. Wir übernachteten in Söderköping, Norsholm, Bergövre, Borensberg, Motala, Forsvik und Töreboda. Die Reise war sehr kurzweilig, weil wir immer wieder durch eine oder mehrere hintereinander liegende Schleusen mussten. Das war jeweils harte Arbeit, solang es bergauf ging, da beim Wassereinlaufen in die Schleusenkammer vorn massive Strömungen entstanden. Mit zwei Seilen hiess es dann, die 20 Tonnen schwere WoC zwischen anderen Booten an Ort und Stelle zu halten. Bis Töreboda meisterten wir 38 Schleusen bergaufwärts und eine talwärts. In Forsvik erreichten wir mit 91.8 m den höchsten Punkt über Meer. Die Teilabschnitte des Göta Kanals waren manchmal sehr weit, anderenorts auch sehr eng und kurvig. Über den Vätternsee konnten wir dank gutem Wind sogar teilweise segeln. Zwischen den Teilabschnitten des Kanals liegen Seen, die mit ihren vielen Inseln mitunter sehr lauschig waren. In Töreboda verliessen uns Markus und Renate, um ihren Flug von Stockholm zurück in die Schweiz zu erreichen. Wir sind sehr dankbar, dass sie uns beim anspruchsvollen Teil des Göta Kanals mit ihrer tatkräftigen Unterstützung zur Seite standen. Bergabwärts sollte die Durchfahrt zu zweit keine grossen Probleme bereiten. Doch darüber schreiben wir anfangs September mehr. 

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Um auf die Eingangsfrage (homepage) zurückzukommen, ob die Fahrt durch einen Kanal für die Wind of Change und ihre Crew herausfordernd sein kann, sollte sich eine Antwort erledigt haben. Wir sind überzeugt, dass es ein Erlebnis war, dieses grösste Bauwerk Schwedens zu erleben. Aber ein zweites Mal wird das nicht mehr passieren.