Januar 2020

Ein Monat für Reparaturen und Erholung

Den ganzen Januar benutzten wir, um uns von der anstrengenden Atlantiküberquerung zu erholen und alle Schäden an der WoC zu reparieren/reparieren zu lassen, die sich eingestellt hatten. Die Reparaturen dauerten vor allem so lange, weil wir uns erst einmal durchfragen mussten, welche Firma welche Schäden reparieren konnte, und weil wir zum Teil sehr lange warten mussten, bis sich jemand der Sache annahm. Wenn dann die Erkenntnis hinzukommt, dass man unter Zuverlässigkeit betreffend Zeitvereinbarungen in der Karibik etwas anderes versteht als man selbst, so lässt sich auch damit die lange Aufenthaltsdauer in Le Marin erklären.

Die letzte Dezember- und erste Januarwoche lagen wir an einem der langen Stege in der Marina. Jörg musste diverse Navigationsgeräte für Geschwindigkeitsmessung und Funk ausbauen und zur Überprüfung ins Atelier eines Elektronik-Spezialisten bringen. Auf's Schiff kommen, wollte der nicht. Dabei stellte sich heraus, dass alle Komponenten noch einwandfrei sind und nicht ersetzt werden müssten (was man uns auf den Kapverden noch erzählt hatte, dann aber keinen Ersatz parat hatte). Für uns war es ein Rätsel, dass sie nach dem Einbau wieder tadellos funktionierten. Kostengünstiger war diese Lösung ohnehin. Den Rest des Januars verbrachten wir dann am Steg der Werft. Ob wir dort mit einem der drei Kräne aus dem Wasser gehoben werden mussten, um die Stopfbuchse neu zu füllen (schliesslich hatten wir bei der Atlantiküberquerung mehr Meerwasser in der Bilge gehabt als gewünscht...), war lange Zeit nicht klar. Der Mechaniker, der diese Arbeit übernehmen wollte, aber auch eine Lösung für den defekten Generator suchte, setzt die Priorität auf letzteren. Bei der Überprüfung, stellte er fest, dass die Dieselzufuhr des Generators defekt war und dieser mit ca. 10 l Diesel randvoll gefüllt war. Angesichts des Alters des Generators beschlossen wir, einen neuen einbauen zu lassen, zumal ein solcher auch sofort verfügbar war und Ersatzteile für den alten erst hätten bestellt und aus Frankreich hätten geliefert werden müssen (wo gerade wieder gestreikt wurde). Doch als der Mechaniker in den Motorraum runter kroch, stellte er gleich fest, dass die hinteren zwei Motorstützen verbogen waren und ersetzt werden mussten. Wie kam dies zustande? War die vor einem Jahr eingebaute neue Welle zu kurz und hat sie den Motor nach hinten gezogen? Das musste wohl so sein, denn was sonst kam infrage? Um die vermeintlich zu kurze Welle etwas zu verlängern, fertigte der Mechaniker eine 25 mm dicke Alu-Scheibe an, die an die an die Ausgleichsscheibe vor der Welle angeschraubt wurde, um diese um dieses Mass zu verlängern. Erst als ein Taucher (nach dem Einbau) überprüfte, ob weitere Schäden zu sehen wären, wo die Welle aus dem Schiff ins Wasser trifft, machte er eine überraschende Entdeckung. Ein dickes Tau war mehrmals zwischen dem Austritt der Welle und dem Propeller um die Welle gewickelt und hatte so Welle mit samt Motor nach hinten gezogen und dabei die Motorstützen verbogen. Unterwegs hatten wir davon nichts bemerkt – der Motor lief, wenn er lief, ohne Einbusse. Wir gehen davon aus, dass wir das Tau noch vor der Atlantiküberquerung eingesammelt hatten und seither damit unterwegs waren. Erst später wurde eine Konsequenz des aufgewickelten Taus deutlich: Der Dieselverbrauch pro Stunde des Motors hatte sich dadurch fast verdoppelt.

Doch es gab noch weitere Baustellen auf der WoC. Ein Rigg-Spezialist ersetzte die fast durchgescheuerte Aufhängung für den Parasailor hoch oben am Grossmast und erledigte weitere kleinere Reparaturen. Mitarbeiter einer Werkstatt für Stahlbau begradigten die Reling, die seit Helgoland leicht verbogen war, sowie die Bugleiter, die in Mindelo auf dem Steg aufsetzte und vom Gewicht der WoC leicht verunstaltet worden war. Und sie frästen zwei rostfreie Stahlblöcke für die Befestigung von Schotstoppern. Den Vorgängern hatte der Rost dermassen zugesetzt und das Schiff mit Rostfahnen verunstaltet, dass diese Investition unabdingbar war. Der Segelmacher nähte eine Kappe zum Decken der Ankerwinsch, weil wir den Verdacht haben, dass Wasser durch diesen Einschnitt ins Schiff gelangt. Den Beweis können wir erst erbringen, wenn wir die WoC aus dem Wasser nehmen. Aber seit die Ankerwinsch abgedeckt ist, kann es schütten wie aus Eimern – das geschieht fast täglich in der Karibik – und das Wasser in der Bilge nimmt kaum mehr zu ... Ein gutes Zeichen. Der Elektriker ersetzte korrodierte Kabelverbindungen der elektrischen Toilette, der automatischen Bilgenpumpe sowie einen Bilgenalarm, der abgerissen wurde. Jörg und ich entfernten alle Salz- und Kalkablagerungen am Boot, reinigten und konservierten alle Stahlteile wie Reeling, Davits und Fenderkörbe, besserten schadhafte Stellen mit Farbe aus und brachten „tausend“ weitere Blessuren an der WoC in Ordnung. Inzwischen wissen wir, dass salzhaltige Luft ausgesprochen aggressiv ist und man mit einem Stahlboot dafür fast täglich neue Aufgaben erhält. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir nun die Karibik ohne neue Schäden entdecken und geniessen können. Anfangs Februar möchten wir gegen Norden bis Guadeloupe segeln, um dann wieder umzukehren und gegen Süden zu fahren. Ende Mai,, wenn die Hurrikansaison beginnt, wollen wir in Curaçao sein, von wo aus wir den Flug nach Deutschland und in die Schweiz antreten wollen.