Februar 2020

Karibik ohne Stress - aber mit Regen

Pünktlich wie geplant verliessen wir am 1. Februar die Werft in Le Marin. Weil wir vor dem Bunkern von Diesel lange warten durften, ankerten wir am Abend vor Case Pilote und segelten erst am nächsten Tag nach St. Pierre, unserem vorgesehenen Ziel. Auch dort aktivierten wir wieder den Anker. Vor Anker oder an einer Boje liegen heisst, dass wir am Morgen direkt nach dem Aufstehen ins Wasser tauchen und schwimmen (können), was trotz warmem Meer (ca. 24 °) zu dieser Tageszeit noch immer sehr erfrischend ist. Mit dem Dingi fuhren wir nach dem Frühstück dann ans Land, um das Dorf, das 1902 nach einem Ausbruch des Vulkans Mont Pelée verschüttet und zerstört wurde, zu erkunden und auf dem Markt unseren Gemüse- und Obstvorrat etwas aufzustocken. Sowohl mit dem Dingi als auch mit der WoC musste man ständig achtgeben, dass man nicht in ausgelegte Fischernetze oder -reusen fährt. Schon einmal hatte sich das  Befestigungstau einer solchen Anlage um die Schraube der WoC gewickelt. Das wollten wir nicht noch einmal erleben. 

Unser nächstes Ziel war Roseau auf der Insel Dominica. Auf Dominica können nur Kreuzfahrtschiffe am Steg anlegen, die anderen Schiffe machen an Bojen fest. Das seit 1978 autonome Commonwealth of Dominica ist noch sehr naturbelassen. Allerdings hat vor zwei Jahren der Hurrikan Maria hier gewütet, und vieles ist noch nicht wieder aufgebaut, z.B. Landungsstege für das Dingi, mehrere Hotels und auch Wanderwege. Sogleich nach Ankunft mussten wir uns im Customs Office anmelden (das zu finden zeitaufwendig war) und erhielten eine Bewilligung für zwei Wochen Aufenthalt auf der Insel. Die Hauptstadt Roseau ist geprägt von meistens zweistöckigen farbigen Häusern, die sehr unterschiedlich in Schuss sind, und es gibt einen riesigen und sehr betriebsamen Markt mit Früchten, Gemüsen und zahlreichen Getränken auf Rum-Basis. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Mit unserem Führer Peter wanderten wir durch den Regenwald Richtung Boiling Lake, einem heissen, blubbernden Vulkansee, dessen Wasser so heiss ist, dass man darin Eier kochen kann. Jedenfalls nahmen wir zwei rohe Hühnereier mit, um es zu probieren. Der Weg zum Boiling Lake erwies sich streckenweise als sehr steil, wurzelreich und matschig, weil es am Vortag stark geregnet hatte. Über die Flüsse gibt es keine Brücken, so suchten wir uns den Weg über Steine. Vor dem letzten Abschnitt zum Boiling Lake, dem Valley of Desolation, einem besonders steilen und rutschigen Wegabschnitt, kehrten wir um und nahmen die rohen Eier unverrichteter Dinge wieder retour. Auch so war die fünfstündige Wanderung anstrengend, aber durch das dichte Grün mit Riesenbäumen und -farnen und bunten Blumen sehr eindrücklich. An unserem nächsten Ankerhalt, in Portsmouth, machten wir einen Ausflug mit Ruderboot und Guide auf dem Indian River und bestaunten die Mangroven, die Schlingpflanzen sowie die bunten Blumen. 

Wegen der aktuell vorherrschenden Windrichtung verzichteten wir darauf, zur Insel Marie-Galante zu segeln, sondern steuerten die etwas westlicher liegenden Îles des Saintes an. Diese Gruppe von acht Inseln gehört zu Frankreich. Nur zwei der Inselchen sind bewohnt. In Le Bourg, Terre Haut, gingen wir vor Anker, weil es keine freien Bojenplätze mehr gab. Anschliessend kauften wir mal wieder ein und genossen frischen Fisch mit leicht salzigem Bananen-, Süsskartoffel- und Gemüsepüree.

Die nächste Insel, Guadeloupe, die ebenfalls zu Frankreich gehört, wollten wir etwas länger geniessen und sicherten uns deshalb in der Marina in Pointe-à-Pitre einen Platz. Die Insel besteht aus zwei Teilen, die wie zu einem Schmetterling zusammengefügt sind. Der eine Teil ist bergig, der andere meist flach. Mit einem Mietwagen fuhren wir in die Berge und besuchten dort u.a. einen Wasserfall sowie einen Tierpark. Seine Gehege mit Papageien, Leguanen, Schildkröten, Affen, Tigern und vielen anderen Tieren lagen relativ weit auseinander und das inmitten eines dichten, bunten Regenwaldes. Mut bewiesen wir auf einem wackeligen und rutschigen Rundweg hoch oben in den Bäumen, denn die flüssige Sonne der Karibik fiel immer wieder in Strömen vom Himmel. In der Haupstadt Basse-Terre, auf der Südwestseite der Insel, stillten wir unseren Hunger mit einem Bokit, einem uns bis dahin nicht geläufigen knusprigen, runden und flachen Sandwich. Leider versteckte sich der höchste Berg der Insel, der La Soufrière heisst, in dichten Regenwolken, so dass wir von einem Aufstieg absahen. Auf dem flachen Teil besuchten wir die Badeorte im Süden und die Nordspitze mit einem eindrücklichen, steil abfallenden Küstenabschnitt. In einem Museum in Pointe-à-Pitre informierten wir uns über die Eroberung der karibischen Inseln durch europäische Mächte ab dem 16. Jh. und den darauf folgenden Sklavenhandel.