Mai 2017: Endlich wieder an Bord

Die Spannung war gross. Wie wird sich die WoC uns nach all den Umbauten und Erneuerungen präsentieren? Ende April waren wir erstmals wieder an Bord. Daheim haben wir inzwischen alle Zelte abgebrochen. Kurz vor Monatswechsel ist die WoC soweit, mit allen notwendigen Utensilien, die für den Umbau ausgeräumt und die wir neu mitgebracht hatten, eingerichtet zu werden. Doch noch liegen diese - zum Teil arg verstaubt - in einer Halle und warten darauf, an Bod gebracht und dort versorgt zu werden, wo wir sie brauchen und auch wiederfinden. Das wird kein Spaziergang, waren wir überzeugt. Doch wir haben es geschafft.

Geduld ist gefragt – und wird belohnt

Wir schreiben Montag, den 8. Mai 2017. Seit zwölf Tagen leben wir im Hotel in Laboe direkt unterhalb des Marine-Ehrenmals und gegenüber dem Museums-U-Boot U 995. Ein paar Tage hatten wir für die Einrichtung unserer Wind of Change eingeplant, aber niemals zwei Wochen. Doch das Schiff glich zur Zeit unserer Ankunft eher einer Baustelle als einem einladenden und fahrtüchtigen Zuhause. Ein paar Tage sollten wir uns noch gedulden, erklärte uns der Projektleiter, das Schiff sei in Kürze startklar. Ein Besuch an Bord liess indessen Zweifel aufkommen. Noch waren alle Bodenbretter entfernt, Türen und Kästen ausgebaut, Rollos und vieles mehr waren noch nicht montiert. Auch an Deck gab’s noch viel von den Aufgaben, die wir im Auftrag mit Endtermin Mitte April vereinbart hatten, abzuschliessen. Auf der anderen Seite waren soviel Handwerker an Bord, wie Platz fanden, ohne sich gegenseitig zu behindern. 

 

 

 

 

 

 

 

Das war vor vier Tagen. Inzwischen ist die WoC tatsächlich – fast – startklar. Wir sind eingezogen, haben bereits zweimal an Bord gegessen und die Situation und Stimmung inhaliert und genossen und uns schon mal bestätigt, dass unser Entscheid, alles auf die WoC zu setzen, richtig war. Doch geht’s gleich, nachdem alles an Bord seinen Platz gefunden hat, los? Können wir jetzt starten? 

Natürlich nicht. Erst müssen wir noch einmal nach Lübeck, um diverse Sachen in die Lager-Boxen zu bringen (wo unsere Siebensachen sicher und sauber untergebracht sind), weil sie uns an Bord einfach zu viel würden. Doch Montag soll‘s wirklich losgehen, auch wenn die neue Rettungsinsel noch nicht da ist – sie wird nachgeliefert und gegen die Leihversion, die an Bord ist, ausgetauscht. Wann und wo steht aber noch nicht fest. 

Am Anfang kam der Regen...

Richtig geraten, nicht am Montag, erst am Dienstag haben wir den Hafen von Laboe mit den besten Wünschen des Teams von Georg Huthmann und des Werft-Managements verlassen und uns auf den Weg nach Heiligenhafen gemacht. Das Wetter spielte zu dieser Zeit allerdings – und das nicht nur in der Ostsee – verrückt. Die Temperaturen erinnerten uns eher an den Wintermonat November als an den Wonnemonat Mai. Aber da mussten wir uns an die eigene Nase fassen, wir hatten schliesslich entschieden, unser erstes (halbes) Jahr im Balticum und nicht im Mittelmeer zu verbringen. Und selbst wenn sich das Wetter mit seinen markanten Unterschieden bei den Tages-Temperaturen und Windstärken als teilweise ungemütliche Herausforderung entpuppte, die vielen seichten und versandeten, keinesfalls nur ufernahen Bereiche, denen man mit dem Schiff besser nicht zu nahe kommt, waren es ebenfalls. Uns blieb häufig nichts anderes übrig, als vorgegebenen Rinnen penibel zu folgen, um nicht im Sand stecken zu bleiben. Dazu waren Aufmerksamkeit und Disziplin gefragt - und der Motor. In schmalen Fahrwassern zu segeln ist nur unter sehr bedingten Voraussetzungen möglich. Und die trafen wir nur selten an. Würde das weiterhin so bleiben? Die Antwort auf die Frage bleibt vorerst abzuwarten. Doch bis auf weiteres hat sich daran nichts geändert. 

Inzwischen haben wir Burgtiefen (auf Fehmarn) und danach die Hansestadt Wismar angelaufen und uns dort umgesehen. Die Hansestadt offeriert dem Besucher eine weitläufige historische, zum grossen Teil restaurierte Altstadt mit unzähligen giebelbewehrten Bürgerhäusern, Kirchen und anderen Gebäuden in Backsteingotik, aber auch als Fachwerk gebaut und vor allem mit Strassen, die bis heute mit XXL-Basalt-Steinen gepflastert sind. Nicht nur Wismar, auch andere Städte der Region zeigten, dass die DDR-Zeiten insofern ihre Vorteile offenbarten, dass lange Jahre vom Bestand gelebt wurde, der später wieder renoviert werden konnte - wenn auch zu horrend teuren Preisen. Aber die Stimmung in diesen Orten gefiel uns. Vor allem liess sich Wismar zu Fuss inspizieren, weil wir für die WoC am Ende des alten (Holz-)Hafens einen sicheren und zudem zentralen Anlegeplatz gefunden hatten. Ob uns dies in anderen Hansestädten auch gelingen wird? Warten wir es ab.  

...doch dann kam die Sonne und mit ihr die Hitze

Zwei Tage später liegen wir in der recht neuen und modernen Marina von Kühlungsborn, einem 1937 aus drei Dörfern fusionierten Ort mit dem eigenartigen Namen. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen blauen Himmel. Die neue Hafenanlage mit 400 Liegeplätzen ist bei unserer Ankunft schon gut besucht. Da stellt sich rasch die Frage: Wie soll das im Juli, in der Hochsaison, werden? Finden da noch alle Besucher Platz, die einen solchen für ihre Boote suchen? Wir können und wollen die Frage erst gar nicht beantworten, sehen aber der Tatsache ins Auge, dass es in der Ostsee bald so touristisch zugeht wie im Mittelmeer. Gen Osten, so hoffen wir, sollten wir noch ein paar weniger vermarktete und frequentierte Orte entdecken… Natürlich geniessen auch wir das touristische Angebot und sind die Strandpromenade entlang flaniert und mit „Molli“, der regional verkehrenden nostalgischen Bäderbahn, nach Bad Doberan und Heiligendamm gefahren.  

 

Inzwischen sind wir in der Marina Hohe Düne in Warnemünde gelandet. Nach einer stürmischen und regnerischen Nacht, die wir im Hafen gut vertäut sicher überstanden haben, standen das Städtchen auf der anderen Seite der Warnow selbst und natürlich das angrenzende Rostock auf unserem Programm. Wir waren vor ein paar Jahren schon einmal dort und waren interessiert zu erfahren, ob bzw. was sich seither alles verändert hatte. Unser Fazit war klar: Baulich hatte sich nicht (mehr) viel getan, aber die Zahl der Gäste und Einheimischen, die die Einkaufsstrasse bevölkerten, dürfte weiter gestiegen sein. Als wir in die Marina fuhren, entdeckten wir eine "Schwester" unserer WoC, gleicher Rumpf und Aufbau, ähnlich gestrichen. Wir wussten, dass seinerzeit mehrere Rümpfe gebaut worden waren, hatten aber noch kein Schiff in natura gesehen... 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischenhalt im kleinen Pardies

Nach einer herrlichen Fahrt unter Segel und zeitweise Motor haben wir mit Glück die immer wieder versandete Einfahrt zum Not-Hafen Darsser Ort angelaufen. Not-Hafen deshalb, weil der kleine Naturhafen eigentlich nur für Notfälle gedacht und eine Anlaufstation zwischen Warnemünde und Stralsund bieten soll. Die Einfahrt zum im Naturschutzgebiet liegenden Hafen versandet immer wieder und bietet keinerlei Service oder Einkaufsmöglichkeiten, um ihn für die Segler so unattraktiv wie möglich zu machen. Doch gerade das ist das Schönste am Darsser Ort. Wir haben dort – eigentlich gegen die Bestimmungen, die nur eine Übernachtung erlauben – zwei Nächte am Steg gelegen. Natürlich nicht, ohne den Hafenmeister um diese Ausnahme zu ersuchen. Da uns das Wetter die Tage mit blauem Himmel und ungehindertem Sonnenschein verschönerte und die Nächte sternenklar und praktisch windfrei waren, erlebten wir hier eine wunderbare Zeit. Lange Spaziergänge zu einem alten Leuchtturm (mit Museum) und zum Städtchen Prerow liessen die Zeit wiederum wie im Flug vergehen. Eine Pause im weissen Sand des Strandes erweckte die Hoffnung, solches bald wieder zu erleben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Stralsund nach Greifswald 

Nachdem wir die Ausfahrt durch die Fahrrinne ohne Bodenberührung gemeistert hatten, ging die Fahrt ohne Unterbrechung duch den Stralsund nach Stralsund weiter. Auch wenn wir die flache Landpartie, an der wir vorbeifuhren (mehr mit Motor als mit Segeln, häufig kombiniert), in Augenschein nehmen konnten, von der wirklichen Schönheit der an den Ufern nur selten bebauten Landstriche bekamen wir während der Fahrt nur wenig mit. Um diese zu erleben muss man an Land gehen. Deshalb werden Stopps – durchaus mehrtätig – zu unserem künftigen Fahrtenablauf gehören.

Auch im nächsten Ort, der Hansestadt Stralsund, blieben wir drei Tage und Nächte, um uns die Hansestadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu Gemüte zu führen. Neben den für die Hansestädte und ihre früheren wirtschaftlichen Erfolge typischen Giebelhäuser und Backstein-Gotik-Kirchen dominierten in Stralsund der historische Dreimaster Gorch Fock. Das ehemalige deutsche Schulschiff, das während dem 2. Weltkrieg gesunken war, 1945 wieder gehoben und von 1951 bis 2001 unter russischer und ukrainischer Flagge gesegelt wurde, dient schlussendlich als Museumsschiff.  Völlig neu in Stralsund ist das Oceaneum, ein futuristisches Gebäude direkt neben dem roten Backsteinbau im Hafen. Der moderne Bau informiert seine Besucher in Tafeln, Filmen, naturalistischen Darstellungen, Aquarien und anderen Methoden über die Besonderheiten des Balticums sowie der Weltmeere und des Weltklimas.

 

Als letztes Etappenziel des Monat Mai hatten wir uns die Hansestadt Greifswald vorgenommen. Während das Wetter den ganzen Tag mitspielte, legte die Windgeschwindigkeit am Abend, noch bevor wir den Hafen erreichten, deutlich zu. Um den Hafen der Hanse- und zweitältesten nordeuropäischen Universitätsstadt zu erreichen, muss man den Ryck, einen kleinen, langsam fliessenden Fluss ein paar Meilen hochfahren. Grundsätzlich kein Problem, sofern die Infrastruktur des Schiffes reibungslos funktioniert. Kurz vor Einfahrt in den Fluss wurden wir allerdings vom Ausfall unseres Seitenstrahlruders überrascht. Ein wichtiges Hilfsruder, das hilft, den Bug eines Schiffes gegen Wind- und Strömungseinflusse etc. zu stabilisieren. Um kein Risiko einzugehen, entschieden wir uns, nicht bis Greifswald zu fahren, stattdessen in Wieck, einem kleinen Vorort mit zahlreichen Riet-gedeckten Häusern und einer in der Region einzigartigen Klappbrücke nach holländischem Vorbild anzulegen.

Trotz Pech hatten wir dieses Mal Glück. Denn Greifswald haben wir später mit dem Bus erreicht, doch dieses Wieck erwies sich nach Darsser Ort als zweite, wenig überlaufene Station, von der aus wir Ausflüge zu Fuss und per Fahrrad in die Region (sowie zum Geschwistertreffen) unternehmen konnten. Ausserdem konnten uns die Techniker der Werft, die am Schiff nochmals Hand anlegen wollen, hier problemlos erreichen.

 

Soviel zum Mai...

Damit ist die Berichterstattung über den Monat Mai abgeschlossen. Wir sind inzwischen gut zwei Wochen mit der WoC unterwegs. Das Wetter hat zwar seine Schattenseiten zum Besten gegeben, aber Sonne und blauer Himmel – wenn auch meist von spürbarem bis heftigem Wind begleitet – dominierten über die gesamte Zeit. So lief an Bord mit wenigen Ausnahmen alles nach Wunsch. Damit ist nicht nur die recht komplexe Technik angesprochen. Auch auf der (zwischen)menschlichen Ebene kam es zu keinerlei ernsthaften Zwischenfällen, die eine Weiterführung des Törns hätte in Frage stellen können. Zu früh gefreut? Wir können und wollen das nicht abschliessend sagen, aber sind erst einmal guter Dinge, nein eigentlich weit mehr als das ....

In rund einem Monat sehen und hören wir uns wieder. Bedingung ist, dass wir einen verlässlichen Webzugang (WLAN) finden. Denn das hat unser Törn bislang gezeigt, viele Marinas, auch solche, die mit Gratis-WLAN werben, nehmen dieses Thema auf die ganz leichte Schulter und halten ihre Versprechen höchstens unter ganz engen örtlichen Bedingungen ein. Hier wollen wir die Unabhängigkeit verbessern – allerdings ohne dabei die Kosten aus den Augen zu verlieren. Im Inland (in der Schweiz) wäre das für einen Swisscom-Abonnenten kein Problem. Im Ausland sieht das hingegen ganz anders aus. Hier wird man schon für einen zugestellten Telefonanruf – selbst wenn er nicht angenommen wurde – zur Kasse gebeten... Vom Daten- oder Mail-Down- oder Upload ganz zu schweigen.

Wie's weitergeht

Das Marine-Ehrenmal in Laboe
Das Marine-Ehrenmal in Laboe
Das Museums-U-Boot U 995
Das Museums-U-Boot U 995
Die WoC ist wieder im Wasser
Die WoC ist wieder im Wasser
Das erste z'Nacht an Bord: Spargel
Das erste z'Nacht an Bord: Spargel
Die neue Schiffsglocke am Platz
Die neue Schiffsglocke am Platz
Fahrt zur Fehmarn-Brücke
Fahrt zur Fehmarn-Brücke
17 m Masthöhe - die Brücke war höher
17 m Masthöhe - die Brücke war höher
Sonnenuntergang in Burgtiefen
Sonnenuntergang in Burgtiefen
Alter Holzhafen in Wismar
Alter Holzhafen in Wismar
Fachwerkhaus über dem Wasser
Fachwerkhaus über dem Wasser
Die sog. Wasserkunst
Die sog. Wasserkunst
Wismar von oben
Wismar von oben
Der Fischerhafen von Warnemünde
Der Fischerhafen von Warnemünde
Kreuzfahrtschiff am Quasi
Kreuzfahrtschiff am Quasi
Überraschung pur: Schwester der WoC
Überraschung pur: Schwester der WoC
Einkaufsstrasse in Rostock
Einkaufsstrasse in Rostock
Brunnen und Wasserspiel
Brunnen und Wasserspiel
Das Rostocker Rathaus
Das Rostocker Rathaus
Molli setzt sich vor die Waggons
Molli setzt sich vor die Waggons
Langer Sandstrand in Heiligendamm
Langer Sandstrand in Heiligendamm
Strandkörbe als Grundausstattung
Strandkörbe als Grundausstattung
Deutsche Gründlichkeit am Strand
Deutsche Gründlichkeit am Strand
Gebäude nach und vor der Renovation
Gebäude nach und vor der Renovation
Noch immer gibt es viele Ruinen.
Noch immer gibt es viele Ruinen.
Im Nothafen Darsser Ort
Im Nothafen Darsser Ort
Nur wenige Segler machten dort fest
Nur wenige Segler machten dort fest
Immer einsatzklar: Theo Fischer
Immer einsatzklar: Theo Fischer
Der Leuchtturm Darsser Ort
Der Leuchtturm Darsser Ort
Prerows gut besuchter Strand
Prerows gut besuchter Strand
Blick vom Liegeplatz
Blick vom Liegeplatz
Backsteingotik neben Beton
Backsteingotik neben Beton
Nikolaikirche hinter Giebelhäusern
Nikolaikirche hinter Giebelhäusern
Blick auf die Nikolaikirche
Blick auf die Nikolaikirche
Gorch Fock für immer festgemacht.
Gorch Fock für immer festgemacht.
Die Figuren warten am Ende des Rock
Die Figuren warten am Ende des Rock
Der Ryck kommt aus Greifswald
Der Ryck kommt aus Greifswald
Die Klapp-Brücke in Weck
Die Klapp-Brücke in Weck
Der Marktplatz in Greifswald
Der Marktplatz in Greifswald
Greifswalder Altstadtszene
Greifswalder Altstadtszene
Das Hauptgebäude der Universität
Das Hauptgebäude der Universität