August 2019:

Portugal ist mehr als eine Reise wert 

Baiona, der Ankunftsort der drei Schiffe, mit denen Kolumbus nach der Entdeckung Amerikas zurückkam, war unser erstes Ziel im August. Eines dieser Schiffe, die Pinta, wurde nachgebaut und ist im Hafen zu besichtigen. Selbstverständlich haben wir das getan und waren erstaunt, mit wie viel Wissen und technischem Know-how der damaligen Zeit, mit wie wenig Wissen verglichen mit heute, sowie unter welchen Verhältnissen auf den (kleinen) Schiffen, die Seefahrer damals den Atlantik überquert haben. Eine Wanderung der Küste entlang führte uns später zu einer Brücke über den Rio Miño, die aus der Römerzeit stammt. Auf dem Hauptplatz hörten wir uns zu später Stunde ein Rock-Konzert an, unter dessen Gästen wir mit unseren grauen Haaren nicht einmal auffielen. Dann verabschiedeten wir uns für's erste von Spanien. 

Unser erster Hafen in Portugal war Viana do Castelo. Wir lagen hinter einer Fussgängerbrücke, die zum Ein- und Ausfahren geöffnet werden musste, direkt unterhalb eines Fitnessparks, und spazierten durch die engen Gassen, sassen in einem Restaurant auf dem grossen Praça da República mit Häusern aus der Entdeckerzeit. Vom naheliegenden Hausberg, auf den uns eine Standseilbahn brachte, genossen wir die Aussicht auf die Stadt und das grüne Umland. 

Unser nächstes Ziel war die Stadt Porto. Dort trafen wir uns mit Jörgs Schwester Dörthe und ihrem Mann Manfred. Zusammen erkundeten wir die Stadt mit vielen in die Jahre gekommenen Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen und zum Teil mit Azulejos (bemalte Kacheln) bedeckte Fassaden sowie mehrere mit viel Gold ausgestatteten Kirchen. Um die Dächer der Stadt und den Douro aus der Vogelperspektive zu betrachten, erklommen wir den mit 75 m höchsten Kirchturm Portugals, Torre dos Clérigos. Mit der Eisenbahn fuhren wir ins Landesinnere ins Zentrum der Porto-Region nach Régua. Mit einem Ausflugsschiff ging's auf dem Douro zurück nach Porto. Beeindruckt hat uns die Schleuse von Carrapatelo mit ihrer Höhendifferenz von 35 m, womit sie zu den höchsten Schleusen der Welt gehört. Nachdem wir nun die Rebberge am Douro, wo die Trauben für den Port wachsen, aus der Ferne betrachtet hatten, war eine Führung durch einen Port(wein)-Keller – natürlich mit Probe – geradezu ein Muss. Mit eigenen und gemieteten Fahrrädern fuhren wir bei kräftigem Wind am ewig langen Strand entlang gen Süden, um uns vor der Rückfahrt (gegen den Wind) in einem der vielen Strandcafes mit fruchtigem Sangria und ein paar Leckereien zu stärken. Nach einer Woche verliessen uns unsere lieben Gäste wieder, und wir setzten unsere Reise planmässig fort. 

Um den nächsten Hafen in Aveiro zu erreichten, mussten wir etwa eine Stunde lang durchs Haff landeinwärts fahren. Am Rande der Stadt wird Meersalz in grossen Becken gewonnen. Mit Tafeln entlang eines Informationspfades erfährt man, wie das Salz durch natürliches Verdunsten aus Meerwasser auskristallisiert. Im touristisch aufgemachten Städtchen schlenderten wir entlang der Kanäle, gingen durch die engen Gässchen und bewunderten die üppig verspielte portugiesische Variante von Jugendstilhäusern. Als wir Aveiro am Morgen verliessen, lag dichter Nebel über dem Haff, und wir mussten sehr wachsam sein, um keinen Fischerbooten in die Quere zu kommen. 

Figueira da Foz, unsere nächste Anlegestelle, ist ein typischer Badeort mit einem Strand, der bis zu 500 m tief ist. Wir legten uns jedoch nicht mit den französischen und spanischen Touristen an den Strand, sondern besuchten u.a. den Palácio Sotto Mayor, ein riesiges Privathaus im französischen Stil, das ein in Brasilien zu Reichtum gelangter Portugiese anfangs des 20. Jahrhunderts gebaut hat.

Bis zu unserem nächsten Halt, Nazaré, war die Küste ein ewig langer Sandstrand. Ab Nazaré ändert sich das Bild, und es dominieren steil ins Meer abfallende Felsen, nur noch von kleineren Sandstränden unterbrochen. Nazaré ist ein Pilgerort für mutige Surfer. Durch die Meertektonik vor dem Ort entstehen vor allem in den Wintermonaten einzigartige Monsterwellen von bis zu 30 m Höhe – Weltrekord. In der zum Ort gehörenden Festungsanlage hoch über einem Kliff werden beeindruckende Filme von solchen Wellen gezeigt, die wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen wollten. 

Über Peniche, wo wir vor der Stadt an einer Boje lagen, gelangten wir nach Cascais, einem Nobelwohnort vor Lissabon. Wir wählten diesen Hafen mit einer Werft, weil wir uns nun doch entschieden hatten, aus Sicherheitsgründen (man wird von anderen Schiffen gut erkannt) ein aktives AIS einbauen zu lassen und endlich das Problem mit dem unzulänglich funktionierenden Parasailor zu lösen. Nachdem wir festgestellt hatten, dass der Parasailor sehr unruhig stand und deshalb schwierig zu handhaben ist, teilten wir dies der Herstellerfirma mit und erfuhren, dass wir nie richtig beraten wurden, wie der Parasailor korrekt installiert wird. Das fehlende Material wurde per Kurier nach Porto aufgegeben, wo es nur verspätet - d.h. nach unserer Abreise - ankam. Von dort wurde es von den Damen am Empfang der Marina nach Cascais nachgeschickt. Weitere Teile mussten wir zusätzlich vor Ort selber organisieren und kaufen. Zum Glück hatten wir genügend Zeit in Cascais eingeplant, schliesslich wollten wir von dort aus Lissabon besuchen. Das braucht Zeit, denn wir besichtigten mehrere sehr unterschiedliche Quartiere, die alle auf Hügeln erbaut wurden. Baixa z.B. mit seinem riesengrossen Praça do Comércio und Chiado wurden nach dem verheerenden Erdbeben von 1755 wieder aufgebaut. Wir stiessen auf erstaunlich viele Fussgängerbereiche, in denen sich vor allem Restaurants befinden. Alfama und Mouraria sind ältere Stadtteile, die das Erdbeben fast unbeschadet überstanden hatten. Die Gassen sind sehr eng und die Häuser, obwohl sie kaum mehr als vier Stockwerke zählen, erscheinen in dem relativ steilen Gelände sehr hoch. Ein Beispiel für die Manuelinik, den Baustil der Entdeckerzeit, ist der Rossio-Bahnhof. Ihn haben wir besichtigt, ebenso Kirchen verschiedener Baustile. Wir sind durch den schönen Estrelapark geschlendert und haben die Palmen und viele weitere Pflanzen aus den ehemaligen Kolonien im Botanischen Garten im Bairro Alto bestaunt. Im Museo do Aljube, einem ehemaligen Gefängnis, haben wir uns mit der Geschichte der Diktaturzeit Salazars und der Nelkenrevolution befasst. Wir hätten noch viele Tage bleiben können, um noch mehr von der vielfältigen, riesengrossen, pulsierenden Stadt zu sehen – wir sind uns bewusst, dass wir nur einen kleinen Teil von dem unermesslichen Reichtum mitgekriegt haben. Doch es ist Ende August, und wir haben dieses Jahr noch einiges vor. Also Leinen los, weiter geht’s gen Süden. Zunächst sind wir aber erst mal gespannt, wie und wie schnell wir mit unserem nun hoffentlich perfekt funktionierenden Parasailor vorwärts kommen.

Wie es mit dem Parasailor gelaufen ist, erfahrt ihr in ca. einem Monat. Auch wenn das eine lange Zeit ist, uns vergehen die Tage und Wochen viel zu schnell. Also bis bald - die zwei von der WoC, Suzanne & Jörg