August 2018

Durch den Trollhättekanal an Schwedens Westküste, nach Göteborg zum Kattegat

Ab August mussten wir die WoC wieder zu zweit durch das Wasser manövrieren, ohne die wertvolle Hilfe von Gästen. Dabei lagen noch etliche Schleusen vor uns. Doch weil unser Weg «bergab» führte, hatten wir keine grossen Bedenken, diesen allein zu meistern. Gleich am 1. Tag des Monats (Schweizer Nationalfeiertag!) durften wir den Beweis antreten, dass dies zu recht geschah, galt es doch, neun Schleusen zu bewältigen, um nach Norrkvarn zu kommen. Dort legten wir einen Tag Pause ein, um mal wieder zu waschen und gepflegt einzukaufen. Dazu fuhren wir mit den Velos den Götakanal entlang – eine neue Perspektive vom Kanal, die wir dabei erhielten - zum nächsten Dorf, wo wir ein Lebensmittelgeschäft fanden, in dem wir uns eindecken konnten. Am folgenden Tag standen nochmals zehn Schleusen auf dem Programm, bis wir Sjötorp am Vänernsee erreichten. Dort fand die Reise durch den Götakanal ihr Ende. Dieses einzigartige schwedische Nationalbauwerk wurde übrigens in 22 Jahren von 1810 bis 1832 unter der Regie von Baltazar von Platen erbaut. 58'000 dafür abgestellte Soldaten haben den Kanal damals in sieben Millionen Tagewerken zu 12 Arbeitsstunden hauptsächlich von Hand ausgehoben. Der Kanal ist 190 km lang und passiert fünf Seen. Von Anfang bis Ende durchfährt man 58 Schleusen, um eine Höhendifferenz von 91,8 m zu überwinden, und quert heute 50 Brücken. Bei etlichen gilt es, sich per Funk bemerkbar zu machen, damit die Brücke - häufig ferngesteuert - geöffnet wird, andere sind mit einer Schleuse kombiniert, die nur dann geöffnet wird, wenn die Brücke offen ist. Wartezeiten - vor allem bei Eisenbahnbrücken - sind da nicht immer zu vermeiden. 

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In vier Etappen durchquerten wir den für uns ungewohnt grossen Vänernsee segelnd, nur die letzte Etappe mit Hilfe des Motors. Der Wind war während den ersten drei Etappen sehr stark und die Wellen entsprechend hoch. Wir wähnten uns auf der Ostsee, nur das Wasser war kein bisschen salzig. Am ersten Abend legten wir in Mariestad an, wobei wir wegen einer zu wenig hohen Brücke auf dem Weg dorthin einen grossen Umweg – drei Mal so lange Distanz – machen mussten. Am Kai durften wir lange suchen, bis wir einen freien Platz gefunden hatten, alles war reserviert. Als wir schliesslich festgemacht hatten, legte am späteren Abend ein imposanter Zweimaster (Vänergaleere Mina, gebaut 1876, Gesamtlänge 35,45 m, Breite 7.04 m, Tiefgang 2.30 m) direkt vor uns an, wobei er mit seinem gewaltigen Bugsprit eine Kollision mit unserer Rollfock verursachte und damit die WoC ein Stück vom Kai weg zog. Nach einer Besichtigung am nächsten Morgen zusammen mit dem Kapitän der Mina kamen wir zur Erkenntnis, dass zum guten Glück nichts beschädigt wurde. Der Stoff der eingerollten Genua hatte den Metallkern des Segels geschützt. Bei der Gelegenheit lud uns der Kapitän auf eine Besichtigung  seines Schiffes ein. Diese Einladung nahmen wir gerne an, seine Erläuterungen waren sehr interessant. So erfuhren wir u.a., dass die Galeere ursprünglich Getreide transportierte und auch durch die Schleusen des Götakanals fuhr, die wir gerade hinter uns hatten. Das Schiff war extra so dimensioniert worden, dass es die (durchwegs gleich grossen) Schleusen bis auf wenige Zentimeter füllte. Im Verlaufe des Tages kamen noch sieben weitere kleinere und grössere historische Holzsegelschiffe an und zogen mit ihrem Aufmarsch zahlreiche Gäste an. Jetzt wurde uns klar, warum alle Plätze am Kai mit roten Reserviert-Tafeln verziert waren. 

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Weiter ging unsere Reise an den idyllischen Fischerort Spiken und den Ferienort Sunnanå. Dort sind Pläne ausgestellt, das Dorf nach dem Vorbild von Port Grimaud am Mittelmeer auszubauen (so unser Eindruck). Weil es heftig stürmte, blieben wir einen Tag In Sunnanå, um besseres Wetter abzuwarten. Das kam dann tatsächlich und offerierte uns eine Aussicht auf ein spiegelglattes Meer. Auf unserem Weg nach Vänersborg erlebten wir dann etwas, was uns beinahe fremd war: Es regnete zum ersten Mal seit Monaten, wenn auch eher verhalten. In zwei Etappen durchfuhren wir den vergleichsweise breiten und bereits 1800 eröffneten Trollhättekanal - eine Vorbedingung für den später erbauten Götakanal. Die sechs in diesem Kanal zu bewältigenden Schleusen waren insofern sehr anspruchsvoll, als sie für grosse Transportschiffe ausgelegt waren und man pro Schleuse deutlich grössere Höhendifferenzen zu bewältigen hatte. Die Wände der Schleusen massen über 10 m, wobei die Wasserpegel um 6 bis 10 m variierten. Das bedeutete, dass das Tau, mit dem das Schiff stabilisiert wird, mehrmals umgehängt werden musste, um vor der Ausfahrt zurück an Bord geholt werden zu können.  

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Göteborg, die mit knapp 600'000 Einwohnern zweitgrösste Stadt Schwedens, markierte für uns das Ende der Durchfahrt durch das Land. Im Lilla Bommen Hamn inmitten in der Stadt fanden wir unseren Platz und legten eine mehrtägige Pause ein, zumal wir einen Schulkollegen von Jörg, der vor Jahren nach Schweden ausgewandert war, trafen. Er nahm sich viel Zeit, uns die Stadt zu zeigen, was wir sehr schätzten. Göteborg hat bei uns den Eindruck einer sehr umtriebigen und lebhaften Stadt hinterlassen. Ein Festival, Ausstellungen und das Angebot unzähliger Geschäfte zogen von morgens bis abends Menschen in Massen auf die Strassen (uns eingeschlossen). Trotzdem fanden wir Zeit, das Schiff auf Vordermann zu bringen, ein defektes WC und den Windgenerator zu reparieren, der nach dem Sturm in Sunnanå aufgehört hatte, seiner Funktion gerecht zu werden.

Unser nächstes Ziel war die Insel Vrangö, deren Natur wir nach einer Woche Stadtaufenthalt voller Tatendrang mit den Fahrrädern und auf Schusters Rappen erkundigten. Über Vallda Sandö erreichten wir schiesslich die Stadt Varberg. Hier machten die WoC im Stadthafen nahe des Meerbades und der riesigen Burganlage, die wir beide besuchten, fest. Die Schweden sind – so haben wir es wahrgenommen – begeisterte Minigolf-Spieler. An fast jedem Ort, der auf Gäste wartet, findet man solch eine Anlage, diejenige von Varberg haben wir dann auch mal durchgespielt. Für unseren nächsten Stopp hatten wir Falkenberg gewählt, dessen historischen Stadtteil mit niedrigen Holzhäusern und engen Pflastersteinstrassen wir ebenfalls besichtigten. Nach einem Halt in der Grossstadt Halmstad mit einer grosszügigen Fussgängerzone erreichten wir Ende August Torekov, ein ehemaliges Fischerdorf, das sich heute dem Tourismus verschrieben hat. Dort genossen wir die Abgeschiedenheit des (gar nicht so) kleinen Ortes und die Ruhe der Nachsaison – in Schweden dauert die Hauptsaison praktisch nur während des Monats Juli -  und die Natur. So fuhren wir mit unserem Dingi um die vorgelagerte Insel, die für die dort lebenden Seehunde bekannt und beliebt ist. Wir hatten das Glück, mehrere solche Geschöpfe im Wasser zu sehen, allerdings konnten wir nur ihre schwarzen Köpfe ausmachen, dies in einer Entfernung, die für ein Portrait per Kamera nicht genügte.  

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Noch immer sind wir in Torekov, um die sonnigen Herbsttage zu geniessen. Bald geht es auf nach Helsingborg, womit wir Schweden verlassen, um über Helsingör und Kopenhagen nach Laboe zurückzukehren. Anfangs Oktober dazu mehr.