Winter 2018/2019:

Auch ein Winter ohne Schiff hat seine Reize

Inzwischen schreiben wir Mai 2019, und wir sind wieder an Bord der WoC, um den grossen Törn in Angriff zu nehmen. Mit dem Schiff ist alles in Ordnung, doch es hat (wieder einmal) bis zum letzten Tag gedauert, bis alles erledigt war. Immerhin haben wir "aufgerüstet", vor allem was die Segel anbelangt. Die Krönung besteht in einem neuen Parasaylor, von dem wir viel erwarten, vor allem auf dem langen Weg über den Atlantik soll er uns die Arbeit auf dem Vorwind-Kurs erleichtern und die WoC in Fahrt bringen. Wir werden über unsere Erfahrungen berichten. Doch bevor wir so weit sind, werfen wir einen Blick zurück auf die vergangenen Wintermonate. 

Nachdem wir die WoC Ende September 2018 am Steg der Werft in Laboe festgemacht und das Schiff übergeben hatten, bezogen wir anfangs Oktober unsere erste Ferienwohnung in Laboe. Der Herbst war sehr warm und schön, und so konnten wir noch einige Fahrradausflüge an der Kieler Bucht unternehmen. Sie führten uns u.a. nach Kalifornien und nach Brasilien, zudem nach Kiel und zur Kieler Segelhauptstadt, dem Olympiahafen Schilksee, gegenüber von Laboe. Um dorthin zu gelangen, setzten wir mit dem Kursschiff ans gegenüberliegende Ufer über. Ansonsten nutzten wir die Zeit, um diverse Dinge zu kaufen oder anfertigen zu lassen, die wir auf unserer WoC ersetzen wollten oder die wir vermisst hatten. Bei einem Ausflug mit Leihwagen nach Flensburg erstanden wir in einem Antiquitätengeschäft eine wunderschöne, von Hand aufzuziehende Glasen-Uhr (sie schlägt nicht nur die Stunden sondern auch die Zeit, zu der die Wachen beginnen) sowie ein dazu passendes Barometer. Beide Instrumente dürften in der Vergangenheit auf heute ausgemusterten Schiffen ihre Dienste geleistet haben und sind nun zu kleinen Prunkstücken an Bord der WoC befördert worden.

Die WoC im Werfthafen
Kieler Hafen mit alten Segelschiffen
Gegenüber von Laboe
Unsere neuen Prunkstücke an Bord
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Im November besuchten wir Freunde und Verwandte in Deutschland und der Schweiz; dabei haben wir nicht nur viele Gespräche mit lieben Freunden geführt, sondern auch viele Eindrücke erfahren, die uns gezeigt haben, dass die Welt nicht nur auf oder am Meer seine besonderen Reize hat. Neben Karlsruhe haben wir Mainz und Wiesbaden und dort Schwester Katharina besucht, die uns u.a. zu einer im Wald versteckten russisch-orthodoxen Kirche geführt hat. Von dort ging es in die Schweiz, wo uns Freunde empfangen und die Attraktivität des Landes in Erinnerung gerufen haben. Auch unsere frühere Heimatstadt Brunnen stand auf dem Programm. 

Unsere WoC wurde derweil von Mitarbeitern der Werft aus dem Wasser in eine Halle gebracht, wo die verbliebenen Mängel über Winter behoben wurden. Zurück in Norddeutschland haben wir dann unser (Haupt-)Winterquartier in Travemünde, rund 90 km nördlich von Laboe, bezogen. Dort blieb nicht nur genügend Zeit, die einstige Hanse-Metropole Lübeck in der Vorweihnachtszeit kennenzulernen, sondern auch unsere Segelreise in die Karibik vorzubereiten. Suzanne bestellte das dazu benötigte Kartenmaterial und die entsprechenden Hafenhandbücher und erstellte einen dezidierten Törnplan. Reiseführer für die anzulaufenden Länder besorgten wir uns in einer Buchhandlung in Lübeck, um uns darauf vorzubereiten, welche Sehenswürdigkeiten wir uns auf dem langen Weg in die Karibik anschauen wollen. Der Sicherheit diente die Beschaffung eines Satellitenmodems, um auch mitten im Atlantik – unabhängig von einem terrestrischen Internetzugang – Wetterdaten herunterladen und im Bedarfsfall auch (aktiv wie passiv) telefonieren und mailen zu können.

Mit Schwester Nina zur ...
... russisch-orthodoxen Kathedrale
Mit Barbara und Alexander ...
... auf den Moleson
Mit Markus in die Berge und an ...
... den Vierwaldstättersee
Über Vitznau in die alte Heimat
Holstentor, Wahrzeichen Lübecks
Moderne Strassenzüge neben ...
fast historischen Strässchen
Weihnachtsmarkt in der Altstadt
Suzanne hat die Qual der Wahl
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Besonders geschätzt an Travemünde haben wir den zweimal pro Woche stattfindenden Markt, wo wir frischen und geräucherten Fisch, Fleisch vom Biohof sowie Milchprodukte, Gemüse und Obst kaufen konnten. Im Hafen boten Fischer ihre gerade gefangenen Fische direkt an ihren Schiffen feil. Vor allem am Wochenende standen Besucher aus Lübeck und anderen Orten Schlange, um sich dort mit typischen Meeresbewohnern einzudecken. Kulinarisch hat es uns - wie man sieht - wirklich an nichts gefehlt. Auch sonst wurde die Zeit nicht lang. Ein paarmal sind wir mit dem Vorortszug (oder Bus) nach Lübeck gefahren.  Unserer Fitness dienten nicht nur ausgedehnte Spaziergänge und Fahrradtouren, sondern auch regelmässige Besuche der Wellness-Anlage mit Schwimmbad und Sauna im gerade erst eröffneten aja-Hotel. Ein Kilometer Schwimmen hiess dann das Motto. 

Der Viermaster Passat
Touristenziel, die Tavepromenade
Das aya-Hotel, vom Leuchtturm aus
Unsere Wohnung in Travemünde
Fische frisch ab Schiff
Beruhigungsdrink für Rentner et al.
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Im letzten Monat unserer Winterpause, im April, kehrten wir wieder zurück nach Laboe, um näher an der WoC zu sein und beim Abschluss der Arbeiten von Werft und Segelmacher dabei zu sein und selbst die erstandenen Sachen zu installierten. Dazu gehörte auch das Hissen einer neuen Schweizer Fahne unter der Backbord-Saling. Die alte war total zerfranst und hatte sich von vielen Wind fast schon auf die Hälfte reduziert. So wollten wir die Schweiz der Umwelt nicht präsentieren! In Laboe besuchten uns zwei Freunde aus der Schweiz, Marianne und Arie. Sie waren für zwei Tage mit dem Zug angereist und waren vom Ort und von der WoC begeistert. Doch von einem Mitfahren über das Meer wollten die beiden nichts wissen. Die Berge sind ihnen vertrauter... 

Die Zielsetzung hiess, ab dem 1. Mai wieder an Bord zu leben und zügig in Richtung Dänemark aufzubrechen. Schliesslich wollen wir das bereits besuchte Königreich nochmals aufsuchen und umrunden, um via Kattegat und Skagerrak in die Nordsee zu gelangen. Dort wollen wir die einzige deutsche Hochseeinsel Helgoland besuchen, bevor es in Richtung Norderney weitergeht. Mehr dazu im nächsten Monat.

150 qm Parasaylor, let's go!
Suzanne erneuert die Schweizer Fahne
Unsere Wohnung in Hochparterre
Arie, Marianne und Jörg im Hafen
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